Viel Afrika, kein Österreich auf der Venedig-Biennale
111 Namen - darunter einige Kollektive - zählt die Liste, die die Kunstbiennale von Venedig am Donnerstag veröffentlichte. Es sind jene Künstlerinnen und Künstler, die von 9. Mai bis 22. November bei der Hauptausstellung im zentralen Giardini Pavillon sowie im Arsenale in Venedig gezeigt werden (die Teilnehmer, die einzelne Länder in ihre Pavillons entsenden, sind nicht Gegenstand der Liste.)
Die Hauptschau wird in der Kunstwelt stets mit Spannung erwartet, für die geladenen Künstlerinnen und Künstler bedeutet eine Teilnahme eine Auszeichnung. Diesmal ist die Schau aber mit Trauerflor behaftet, da die Kuratorin Koyo Kuoh im Mai des Vorjahres überraschend mit 57 Jahren verstarb. "In Minor Keys" ("in Molltonarten") ist das Motto der Ausstellung, die nach Kuoh Vorgaben von ihrem Team posthum realisiert wird: Der Titel, wenngleich atmosphärisch passend, wurde noch von Kuoh selbst gewählt.
Dass sich die in Dakar geborene Kuoh als langjährige Leiterin der Institution Zeitz MOCAA intensiv mit der zeitgenössischen Kunstszene am afrikanischen Kontinent befasste, ist der Künstlerinnenliste aber ebenso anzusehen wie ihr intensiver Bezug zur Schweiz: Kuoh kam als Teenagerin nach Zürich, wo ihre Mutter lebte, und absolvierte ein Wirtschaftsstudium, bevor sie sich mit Kunst befasste.
Afrika in Venedig
Neben zahlreichen Namen von afrikanischen Künstlerinnen und Künstlern finden sich also auch die mit Umwelt- und Heimatthemen befasste Sandra Knecht oder der in Lausanne lebende Regisseur Fabrice Aragno auf der Liste. Namen mit Österreich-Bezug sucht man diesmal vergeblich - bei der Ausgabe 2024 hatte der auf Außenseiterpositionen spezialisierte Kurator Adriano Pedrosa etwa den Gugginger Künstler Leopold Strobl oder die in Bologna lebende Greta Schödl ausgewählt.
Die Biennale-Hauptschau 2026 wird nun aber, so viel lässt sich erahnen, einen klaren Afrika-Schwerpunkt haben und auch sonst die Aufmerksamkeit auf den "globalen Süden" lenken. Vertreten ist etwa die Objektkünstlerin Kennedy Yanko, deren Werke auch in der Albertina-Sammlung vorhanden sind, und Otobong Nkanga, die 2021/22 groß im Kunsthaus Bregenz gezeigt wurde.
Weiters als Biennalekünstler geadelt wird ist der Venezolaner Alvaro Barrington, dessen Werke noch bis 21. 3. in einer Solo-Schau in der Salzburger Galerie Thaddaeus Ropac zu sehen sind. Der politisch engagierte Chilene Alfredo Jaar, seit langem auch von der Wiener Galerie Hubert Winter vertreten, ist Teil der Auswahl wie Tabita Rezaire, die kürzlich mit einer Installation im Weltmuseum Wien präsent war. Der Franzose Kader Attia, in Österreich durch die Galerie Krinzinger vertreten und mit seinen Arbeiten rund um das Thema Verletzung und Wiedergutmachung ein häufiger Biennale-Gast, wird ebenso Teil der Hauptschau sein.
Vordenker
Vereinzelt fallen auch bekannte Namen auf - darunter der französische Kunst-Vordenker Marcel Duchamp oder die zwischen Pop- und Kunstwelt changierende Laurie Anderson. Beim Biennale-Teilnehmer Nick Cave handelt es sich um den afroamerikanischen Künstler dieses Namens, nicht um den australischen Sänger und Songwriter. Zwei palästinensischen Künstlern in der Auswahl stehen keine aus Israel gegenüber.
In Kuohs kuratorischen Konzept soll es dennoch um Verbindungen gehen, die Künstlerinnen und Künstler verschiedener Herkünfte verbindet. Molltonarten vergleicht ihr Impulstext mit "kleinen Inseln, Welten inmitten von Ozeanen mit unendlich reichen Ökosystemen." Die Beiträge sieht sie (Übersetzung des Autors, Anm.) als "ein Archipel von Oasen - die anderen Welten, die Künstler und Künstlerinnen herstellen, die intimen und gemeinschaftlichen Universen, die uns auch in furchtbaren Zeiten tragen und erfrischen."
Kommentare