In Raus Götterstaat zelebriert Holzinger bei Nitsch Pfingsten

Die österreichische Biennale-Venedig-Teilnehmerin Florentina Holzinger rockt am 23. Mai Schloss Prinzendorf.
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Heuer wird es am Pfingstsonntag kein traditionelles Fest auf Schloss Prinzendorf mit Prozession durch die Felder geben. Denn bereits am Tag zuvor, am 23. Mai, sorgt Florentina Holzinger in der Wirkungsstätte von Hermann Nitsch, dem Gründer des Orgien Mysterien Theaters, für ein Spektakel.

Rita Nitsch, die Witwe des Wiener Aktionisten, erklärt gegenüber dem KURIER, dass die Choreografin ihr Interesse bekundet hätte – noch bevor sie im Jänner 2025 vom damaligen Kulturminister Werner Kogler (Grüne) als Vertreterin Österreichs bei der diesjährigen Kunstbiennale Venedig bekannt gegeben worden war. Die Schlossherrin hätte nichts einzuwenden gehabt: Sie sucht künstlerische Positionen, die sich mit dem Werk von Nitsch auseinandersetzen.

„Pfingstspiel“ ist als Satellitenveranstaltung zum Biennale-Beitrag (ab 6. Mai) konzipiert: Nach einem „Prolog“ im Wiener Eislaufverein als „Oratorium für Körper und Maschinen“ und einer Busfahrt folgt im Schlosshof eine mehrstündige „Étude“ mit Feuerwerk, Glocken, Musik und Motorrädern. Auch der Einsatz von anderem schweren Gerät, wie man es von den „Shows“ der Extrem-Performerin kennt, ist denkbar.

Holzinger setzt sich also zwei Jahre nach „Sancta“ (im Mittelpunkt stand eine nicht keusche Nonne) erneut mit religiösen Bildwelten auseinander. Und das passt Milo Rau, dem Hohepriester der Wiener Festwochen, ins Gesamtkonzept: Nach der „Republik der Liebe“ ruft er jetzt die „Republic of Gods“ aus: „Wer sind die Heiligen, was die Rituale in dieser Gottesrepublik? Oder werden gar die Kunst und das Theater selbst zu Gott erklärt?“

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Werbesujet der Wiener Festwochen 2026, nun Götterstaat. 

Für die heurige Ausgabe (15. Mai bis 21. Juni) hat sich Raus Götterstaat ein aufreizendes Bildsujet ausgedacht: Ein Mann, der wie ein Gottesmann aussieht, küsst eine Frau mit verhülltem Haar. Doch mit der Provokation um jeden Preis dürfte er in der Stadt eines Dompfarrers, der ungeniert mit blonder Begleitung Events besucht, kaum anecken. Man hat eher den Eindruck, dass die Festwochen das Motiv geklaut haben – von Oliviero Toscani, der im letzten Jahrtausend mit einem küssenden Gottesdienerpaar Werbung für die Benetton-Strickwaren gemacht hatte.

Oliviero Toscani mit Werbesujet für Benetton, uralt. Werbesujet

Oliviero Toscani mit Werbesujet für Benetton, uralt. 

Die „Pfingstspiel“-Performance als Kooperation mit der Nitsch Foundation gibt Rau eigentlich erst am Donnerstag bekannt – wie auch die weiteren Programmpunkte (von und mit Susanne Kennedy, Lina Majdalanie, Brigitta Muntendorf, Marichka Styrbulova, Marta Górnicka und Rébecca Chaillon).

Die Festwochen beteiligen sich am Holzinger-Spektakel mit 100.000 Euro; eine doppelt so hohe Summe muss Rita Nitsch beisteuern. Aber es wird insgesamt ein Jahr des Meisters: Am 21. März eröffnet im Nitsch Museum die Ausstellung „Von Sonnenaufgang an“, am 25. März startet das erweiterte WAM in Wien mit einer großen Schau über das Frühwerk von Nitsch.

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