© FOTOWerk Aichner

Kultur
05/03/2019

Bernhard Aichner: Auch mit der Liebe geht es zack, zack

Diesmal hat der Tiroler keinen Thriller geschrieben, im Roman "Kaschmirgefühl" gibt es Telefonsex.

Bevor Bernhard Aichner - Foto oben -  mit seiner international so erfolgreichen  „Totenfrau“-Trilogie begonnen hat, war er in ein Bestattungsunternehmen arbeiten gegangen.
Um zu wissen, wie man Tote schön herrichtet.
In „Kaschmirgefühle“ geht es um Telefonsex, und da fiel die Recherche selbstverständlich noch anstrengender aus.
Aichner rief gleich mehrere Nummern an.
Guten Tag, ich will nur reden ... einmal klappte es sehr gut. Jede Minute ist teuer, er hatte nachher  – seine Worte – eine Latte Geld verbraucht:
„Eine Dame hat sich freundlicherweise für mich Zeit genommen und mir viel Hintergrund erzählt. Wie der Ton ist, wie die Stimmung ist ...  Ich habe bestimmt drei Stunden mit ihr telefoniert. Sehr nett war das.“

Dialog

Das Ergebnis: Der Joe ruft bei der Yvonne an. Er heißt freilich anders, Gottlieb. Sie heißt freilich anders, Marie Beide lügen, was das Zeug hält.
Sie sagt, sie sei nackt und stricke. Er sagt, seine Mutter schlafe tief und fest neben ihm auf der Couch.
Die Wahrheit sieht ein bisschen anders aus, und darüber wird hier bestimmt nichts verraten, sonst kann man das Buch – das ein einziger Dialog ist, zack, zack, und sich über eine Nacht erstreckt – wegwerfen.
(Dass Gottlieb einsam ist, kann man sich ja denken. Nach dem Tod der Eltern ist er zurück in deren Wohnung gezogen und hat sich wieder im Kinderzimmer eingerichtet.)
Schluss jetzt. Aber es wird Unerwartetes geschehen.
Während man „Kaschmirgefühle“ bekommt und liest ... das Lesen geht  schnell wie Telefonsex – wobei man sich von Bernhard Aichner nachher nicht verabschieden muss, bei  den Gesprächspartnerinnen am Telefon hingegen sollte man das schon machen, aber die meisten Männer hängen grußlos auf, wenn sie „fertig“ sind ... wo genau waren wir jetzt stehen geblieben?
Während man sich also gut unterhält mit Gottlieb und Marie, kommt die Meldung: Noch ein zweites Buch dieses Autors erscheint heuer: Ende September, ein Thriller mit dem Titel „Der Fund“. Eine Supermarktverkäuferin hat irgendetwas Gefährliches mit nach Hause genommen, und jetzt ist die Frau tot.
Aichner schreibt viel. Den Verlagen gefällt’s,  seine Bücher verkaufen sich gut, besser als die meisten der 30.000 Romane, die pro Jahr veröffentlicht werden.
„Ich bin halt ein fleißiger Osttiroler“, sagt Aichner– er verspricht aber, jetzt einen längeren Urlaub anzutreten.
Jedenfalls muss man sich die Wertungspunkte unter diesen Umständen gut einteilen, für „Kaschmirgefühle“ deshalb 3,7 ... die abgerundet gehören.

 


Bernhard
Aichner:
Kaschmirgefühl
Haymon Verlag.
188 Seiten.
17,90 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern