Belvedere: Auf Augenhöhe mit Klimts "Kuss"

Neuartige Vitrine für Klimts "Kuss" im Belvedere
Foto: Belvedere, Wien / Ian Ehm

Fast so nah wie bei einem echten Kuss kommt man im Belvedere nun Klimts gleichnamigem Publikumsmagneten.

In einer grellroten Paravent-Vitrine hat "Der Kuss" im Zuge der Neuaufstellung der Belvedere-Sammlung eine zugängliche Heimat gefunden. Früher in doch deutlicher Distanz vom Publikum abgeschieden, ist das goldstrahlende Werk jetzt auf Augenhöhe zu sehen.
Doch auch abseits des prominentesten Bildes des prominentesten Hauskünstlers macht die nun abgeschlossene Neuaufstellung die Belvedere-Sammlung ganz neu erfahrbar: Der schleifenförmige Parcours durch die Schauräume führt nun wie in einer Schule des Sehens an kunsthistorischen Verbindungslinien entlang, zeigt Querverweise, Entwicklungen und Gegenströmungen in der Sammlung.

Die strenge Epochen-Zuordnung ist einer thematischen, offenen Hängung gewichen. Französische und österreichische Expressionisten werden miteinander konfrontiert, die höchst unterschiedlichen Stile der Ringstraßenzeit einander gegenübergestellt, barocke Malerei wird anhand einzelner Genres erläutert.

Zentraler Aspekt: Den heimischen Künstlern aller Epochen werden Werke von entsprechenden internationalen Strömungen und auch Skulpturen beigestellt. Und die Klassische Moderne hat nun einen eigenen Bereich im Erdgeschoß des Oberen Belvederes.

Die eindrücklichen Charakterköpfe Franz Xaver Messerschmidts sind befreit - vom Kunstlicht und von der Beschriftung. Was hier besonders wichtig ist. Denn nun kann sich der Besucher beim sonnenbeleuchteten Rundgang um die Gefühlsgrimassen ein eigenes Urteil bilden, welche schrille Emotion jeweils dargestellt wird.

Max Klingers frisch renoviertes Monumentalwerk "Das Urteil des Paris" hat nun ebenso Platz wie Max Oppenheimers "Gustav Mahler dirigiert die Wiener Philharmoniker".

Neuzugänge

120 Werke sind nun neu in die ständige Schau aufgenommen, sagt Direktorin Agnes Husslein-Arco. Während des laufenden Ausstellungsbetriebs mussten die neuen thematischen Räume realisiert und auch die oberen zwei Stöcke mit Klimaanlagen versehen werden. 2,8 Millionen Euro kostete die bauliche Adaption des Oberen Belvederes. "Ein Schloss ist naturgemäß kein Museumsbau", betont die Direktorin.

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(KURIER) Erstellt am
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