© BMG/ANNA WEBBER

Gespräch
07/28/2020

Bei den Sparks braucht Strawinsky Hits und Lincoln ein iPhone

Das Pop-Duo Russell und Ron Mael setzten auf intelligente Texte, um dummen Präsidenten Paroli zu bieten

von Brigitte Schokarth

Es gibt eine Sammlung von Schneekugeln mit dem Wiener Riesenrad mitten in Los Angeles. Sie gehört Ron Mael, der schnauzbärtigen Hälfte der Sparks. „Wir haben uns in Wien verliebt, noch bevor wir das erste Mal dort waren, weil wir den Film ,Der dritte Mann’ faszinierend fanden“, erzählt Rons Bruder Russell, der Sänger des Pop-Duos, das 1974 mit „This Town Ain’t Big Enough For The Both Of Us“ den ersten Welthit hatte.

Gerade haben die beiden ihr 24. Album „Steady Drip, Drip, Drip“ auf CD und Vinyl veröffentlicht. Das Werk verbindet Rock und Synthie-Pop mit Elementen aus Dance und Klassik und rundet diese abwechslungsreiche Mischung mit frischen, eingängigen Melodien und den eklektischen Texten von Ron ab, der seine Themen mit viel Fantasie verarbeitet.

So versetzt er in „Stravinsky’s Only Hit“ Igor Strawinsky in ein Szenario, in dem der 1971 verstorbene Komponist von seiner Plattenfirma unter Druck gesetzt wird, einen Hit abzuliefern, und deshalb wie ein Rockstar Party macht. Und „iPhone“ nimmt die Auswirkungen der Kommunikation mit Smartphones aufs Korn.

„Der Song soll nicht die Geräte kritisieren, sondern wie wir dadurch eine geringe Aufmerksamkeitsspanne haben“, erzählt Russell im KURIER-Interview. „Ron hat dafür folgendes Bild kreiert: Was wenn Adam und Eva ein iPhone gehabt hätten und dadurch abgelenkt worden wären? Was, wenn Abraham Lincoln davon bei seiner Gettysburg-Rede abgelenkt worden wäre?“

Für derartige Ideen, bekannte Themen humorvoll aufzubereiten, liebt Russell die Texte seines „dafür hochtalentierten“ Bruders. „Ich denke, das ist einer der Gründe, warum wir bis zum 24. Album gekommen sind. Wir sind uns musikalisch immer treu geblieben, haben nie auf Charts-Erfolge geschielt. Wir haben aber auch immer darauf geachtet, dass die Texte etwas transportieren. Als wir begannen, liebten wir Bands wie The Who und The Kinks, denen das genauso wichtig war. Aber in den 80er-Jahren sind die Pop-Texte belanglos geworden, weil die Musik zu einer lukrativen Industrie wurde, und man wollte, dass sie in den Hintergrund treten und die Musik nicht stören.“

Um da gegenzuhalten, schreiben Sparks auch in „Steady Drip, Drip, Drip“ wieder über Brisantes, nehmen sich in "Please Don’t Fuck Up My World“ das Umweltthema vor: „Es gibt viele Leute, denen das ein Anliegen ist. Aber ihnen wird viel Widerstand von denen entgegengebracht, die in Positionen sind, wo sie etwas ändern könnten. Diejenigen stellen nämlich immer die Wirtschaft vor das Wohl der Leute. Allen voran unser Präsident. Aus dem Übereinkommen von Paris auszusteigen, war nur eines von vielen idiotischen Dingen, die er gemacht hat. Aber eines, das mir Angst macht. Denn das Traurige ist, dass das nicht nur uns in den USA betrifft, sondern die ganze Welt.“

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