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Kritik
03/04/2020

Beethoven weiter gedacht: Musikalischer Meilenstein mit Buchbinder

Starpianist Rudolf Buchbinder mit „Diabelli 2020“ im Musikverein

von Peter Jarolin

Rudolf Buchbinder und Ludwig van Beethoven – das ist seit Jahrzehnten eine durch und durch ideale Kombination. Denn wie kaum ein anderer Künstler hat sich der Ausnahmepianist mit diesem Komponisten auseinandergesetzt und dabei interpretatorische Maßstäbe gesetzt.

Verständlich also, dass Buchbinder auch im Beethoven-Jahr (250. Geburtstag) im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun hat und „seinen“ Beethoven mit diversen Konzerten ehrt. Jedoch – und das ist der große Unterschied zu sonstigen Jubelfeiern – Rudolf Buchbinder denkt Beethoven weiter, bringt ihn quasi ins 21. Jahrhundert, in unsere Gegenwart. Denn mit dem Projekt „Diabelli 2020“ schreibt Buchbinder gemeinsam mit dem Musikverein sowie weiteren Veranstaltern gerade ein Stück Musikgeschichte.

Nicht weniger als elf Komponisten wurden damit beauftragt, sich mit dem bekannten „C-Dur-Walzer“ von Anton Diabelli und somit direkt oder indirekt mit Beethovens darauf basierenden „Diabelli-Variationen“ zu beschäftigen. Ihre Uraufführungen erlebten die neuen Werke nun im Wiener Musikverein – auch als Auftakt einer Welt-Tournee.

„Rock it, Rudi!“

Und alle Neukompositionen konnten sich auch dank des fantastischen Pianisten wirklich hören lassen. So steuerte etwa Lera Auerbach einen auch herrlich-abgründigen „Diabellical Waltz“ bei, so sorgte Toshio Hosokawa mit seinem Stück „Verlust“ für intensive, meditative Klänge. Ein absolutes Ereignis ist „Rock it Rudi!“ von Christian Jost, das den Jazzer Rudolf Buchbinder höchste Virtuosität abverlangte. Rodion Schtschedrin und Philippe Manoury überspielten im besten Sinne das „Diabelli“-Thema; Max Richter setzte auf kontemplative Klangflächen. Markant auch die Deutungen von Johannes Maria Staud und Brett Dean; ein Genuss „Blue Orchid“ des Oscarpreisträgers Tan Dun.

Gewitztes Spiel

Auch Brad Lubman war mit einem klugen Kommentar vertreten; als einer der (vielen) Höhepunkte darf Jörg Widmanns so gewitzte „Diabelli-Variation“ gelten. Hier spielt ein Komponist furios mit gängigen Hörschemata und verbindet Beethoven sogar mit dem „Radetzkymarsch“. Buchbinder selbst entfesselt am Klavier bei allen Stücken ein Furioso.

Ebenso bei den Variationen aus dem „Vaterländischen Künstlerverein“ eines Johann Nepomuk Hummel, Friedrich Kalkbrenner, Conradin Kreutzer, Ignaz Moscheles, Franz Schubert, Franz Xaver Wolfgang Mozart, Carl Czerny oder eines Franz Liszt – sie alle wurden grandios präsentiert.

Und dann – nach einer Pause – der Klassiker, die 33 „Diabelli-Variationen“ aus der Feder Beethovens, die Buchbinder wohl wie kein anderer Pianist der Gegenwart zu interpretieren versteht. Da paarte sich wieder höchste Musikalität mit technischer Vollendung und einer tief empfundenen, ausdrucksstarken Brillanz.

Diabelli 2020“ – schon jetzt ein Meilenstein.