BCC: Hardrock mit animalischem Bauchgefühl

Glenn Hughes und Joe Bonamassa (links) beschwören mit der Black Country Communion den guten alten 70er-Jahre-Rock.
Foto: Werner Rosenberger

Black Country Communion bewiesen am Samstag in der Staatsoper, dass die Ära von Led Zeppelin und Deep Purple noch nicht zu Ende ist.

Richard Wagners Walkürenritt tönt aus den Boxen zur Einstimmung am Samstag in der Staatsoper beim Jazzfest Wien.
Dann vibriert plötzlich alles wie beim Take-off eines Jumbo Jets und die Rocker von Black Country Communion (BCC) ziehen denen den Scheitel, die noch einen haben.
Die Oldies im Parkett bekommen prompt feuchte Augen ob der Wiederbegegnung mit dem authentischen 70er- Jahre-Hardrock-Sound, der ihnen episch-druckvoll auf die Köpfe brettert.

Nein, die Sinne täuschen nicht. Es ist ein Déjà-vu: Wir werden tatsächlich in die Ära von Led Zeppelin, Deep Purple, Uriah Heep oder Black Sabbath katapultiert. Zu dem, was MCC live abziehen, kann man getrost "museal" sagen. Oder, wie es heute heißt: "Vintagesound".
Schreihals Der Ex-Deep-Purple-Bassist Glenn Hughes spielt mit allerlei Spassetteln den ganztagsextrovertierten Hampelmann, krümmt sich über sein Instrument, stellt es mitunter senkrecht und liefert jede Menge spitzer Schreie. "I'm the messenger, and this is my prophecy", tönt der 59-Jährige im Signature-Song "Black Country".

Alte-Schule-Rock

Der 25 Jahre jüngere Joe Bonamassa, derzeit einer der erfolgreichsten Bluesrock-Gitarristen der Welt, trat bereits als Zwölfjähriger mit B. B. King auf.
Er übt sich zunächst in nobler Zurückhaltung, erdet die Songs und gibt ihnen an entscheidenden Stellen Seele und Tiefe. Etwa mit einem schönen Solo in "Song of Yesterday". Filigrane Kabinettstücke sind auch "The Battle For Hadrian's Wall" und "The Ballad of John Henry".

Drummer Jason Bonham, Sohn des verstorbenen Led-Zeppelin-Schlagzeugers John Bonham, versohlt seine Felle. Und Keyboarder Derek Sherinian mischt Hammond-Sounds ins Feuerwerk.
Das Quartett lässt es mit jeder Nummer krachen. "Das ist ein nahezu animalisches Bauchgefühl", sagt Glenn Hughes und hat recht damit. Der Gute-Laune-Rocker "Sista Jane" setzt den Schlusspunkt.
Bei den beiden Zugaben kommt es noch einmal knüppeldick, als die Band - nach "Man In The Middle" - "Burn" von Deep Purple wie eine Handgranate explodieren lässt.
Und Hughes seine Stimme schrill gellend noch einmal in lichte Höhen treibt: "Time, time, time."

(kurier) Erstellt am
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