The Wider Image: Cremona - city of violins

© REUTERS / STEFANO RELLANDINI

Kultur
12/12/2019

Bares für Rares: Instrumente als Investition

Musiker können sich herausragende Instrumente oft nicht leisten. Ein Banker bringt Anleger und Instrumentalisten zusammen.

von Georg Leyrer

2020 steht wieder ganz im Zeichen eines Klassikstars: Gedacht wird des 250. Geburtstags Ludwig van Beethovens. Viele der größten Stars der Klassikszene werden sich im Lichte Beethovens sonnen, es wird prominent besetzte Konzerte und vielerlei andere Projekte geben, um Beethoven und sein Publikum zusammenzubringen.

Eines aber wird kaum jemandem auffallen – was angesichts der essenziellen Wichtigkeit aber eigentlich falsch ist: Auf welchen Instrumenten nämlich die Klassikmusiker spielen werden. Denn vor allem im Spitzenbereich sind die Anforderungen an die Instrumente immens – vom Klang bis zur Durchsetzungskraft. Viele Musiker betonen unablässig: Ohne ein Spitzeninstrument hat man keine Chance.

Nur kosten diese Spitzeninstrumente auch Spitzengeld. Für aufstrebende Musiker ist das oft ein Teufelskreis: Sie brauchen für das letzte Quäntchen an künstlerischer Ausformung ein herausragendes Instrument, können sich dieses Instrument aber erst dann leisten, wenn sie schon an der Spitze stehen (wenn überhaupt). Und der Markt ist begrenzt.

Das einzigartige, fast mystische Renommee, das etwa die Instrumente des Geigenbauers Antonio Stradivari (1644–1737) haben, ist auch außerhalb der Branche wohl bekannt. Weniger bekannt ist, dass einige dieser Instrumente in einigen Jahrzehnten am Ende ihres Lebenszyklus angekommen sein werden.

„Wir bewahren und restaurieren sie, aber wenn sie ein bestimmtes Alter erreichen, werden sie zu zerbrechlich, um gespielt zu werden. Dann gehen sie schlafen“, sagte der Direktor des Geigenmuseums in Stradivaris Heimatstadt Cremona, Fausto Cacciatori, zur New York Times. Dort, in Cremona, wurde deshalb ein wichtiges Projekt gestartet: Der einzigartige Klang der Stradivaris wird in einem groß angelegten Projekt digitalisiert, um ihn für die Nachwelt aufzubewahren.

Weitere klingende Namen aus dem italienischen und französischen Geigenbau des 17. bis 19. Jahrhunderts: Guarneri, Ruggeri, Guadagnini.

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Der Druck auf die Preise von historischen Spitzeninstrumenten – rund 10.000 davon sind auf dem Markt – wird jedenfalls eher größer als kleiner. Für viele Musiker stellt sich die Frage nach ihrem Instrument akut – und die Lösung liegt darin, sich ein Spitzeninstrument zu leihen. So besitzt etwa die Österreichische Nationalbank 44 Streichinstrumente der bedeutendsten Vertreter des klassischen italienischen und französischen Geigenbaus, die alle österreichischen Musikerinnen und Musikern zur Verfügung gestellt werden.

Und es gibt einen privaten Anbieter, der ebenfalls Spitzenmusikern Instrumente zur Verfügung stellt – und dies dadurch finanziert, dass Instrumente hier als Investition gesehen werden.

Gegründet hat diesen „Merito String Instruments Trust“ der „gelernte Banker“ (Eigendefinition) Wolfgang Habermayer. Der war u. a. bei der Deutschen Bank und der Bank Austria in höchsten Positionen und ist seit 2005 im Bereich Wertpapiere selbstständig. Auf Anregung des Wiener Konzerthauses, wo er im Kuratorium saß, begann er 2008 auch, Kammermusik zu fördern.

Hilfe für Künstler

Und dieses Engagement, so schilderte er im KURIER-Gespräch, hatte Folgen.

Denn ein Künstler sprach Habermayer an, ob dieser nicht helfen könnte, ein Instrument anzukaufen, „damit er das dann spielen kann. Der Bedarf ist klar und schnell erklärt: Die Instrumente werden nicht mehr. Und der Künstler kann es sich nicht leisten – mit den berühmten Ausnahmen, die die Regel bestätigen“, schildert Habermayer.

Mit seinem Trust nun wollte er den Kontakt zwischen potenziellen Investoren und Künstlern herstellen.

Die Herausforderung am Instrumentenmarkt ist vielfältig: Es sind, im Gegensatz zur Kunst und ihren Auktionen, kaum Preis-Daten verfügbar. „Es ist ein intransparenter Markt“, sagt Habermayer. Initialzündung war dann die – am engen Instrumentenmarkt seltene – Gelegenheit, dass ein hervorragendes Instrument von einem befreundeten Musiker zum Kauf stand. Es galt also, einen Käufer zu finden, der das Instrument dann an einen Künstler leihen sollte. „Das gelang viel schneller und leichter, als wir gedacht hatten“, sagte Habermayer.

Der Preis? „Jenseits von zwei Millionen Euro.“

Das Interesse der Künstler ist angesichts dessen klar – es gibt „eine globale Nachfrage“, und Habermayer ist in Europa der einzige derartige private Anbieter. Die begünstigten Künstler werden mithilfe eines Beirats gefunden.

Die Instrumente werden auf Zustand und auch auf Originalität hin begutachtet, was auch für die Preisfindung hilfreich ist. Verliehen werden die Instrumente dann im Idealfall mindestens sieben Jahre, jedenfalls langfristig, betont Habermayer. Obwohl die Leihverträge oft kürzer sind, denn künstlerische Karrieren sind vielen Unwägbarkeiten ausgesetzt. Aber die Erwartung der Musiker sei, dass die Verträge verlängert werden – und der Eigentümer nicht früher verkauft. Bei 17 Instrumenten hat man schon Anleger und Künstler zueinandergebracht. Dabei müssen auch Künstler und Instrument zusammenpassen. „Das ist oft eine Entscheidung, die man einmal im Leben trifft“, schildert Habermayer. „Musiker sagen: Es dauert bis zu zwei Jahre, ein Instrument kennenzulernen.“

Emotionale Rendite

Was der Anleger von so einem Deal hat, ist vielleicht weniger intuitiv, aber leicht erklärt: Spitzen-Instrumente weisen Wertsteigerungen auf, und wenn diese von bekannten Musikern bespielt werden, dann ist das dem Wert zuträglich. Und mit dem Verleih an Musiker gibt es eine Art „emotionale Rendite“. Manche Eigentümer wollen gar nicht öffentlich auftreten – oder hören sich mit Vorliebe Konzerte „ihrer“ Instrumente an und begleiten die Künstler.

Es sind aber teure Werkzeuge, die man da vermittelt. Macht man sich da im Konzert Sorgen, wenn ein Künstler ordentlich ...? „Sie meinen: Reinhaut? Ehrlich gesagt nein. Wenn das Instrument nicht dafür geeignet ist, dann soll ich es in die Vitrine stellen. Wenn es der Ausdruck erfordert, dann macht mir das keine Sorgen.“

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