„Piksi-Buch“: Die Verzweiflung über die verspielte Hoffnung
Mit „Piksi“ verbinden die meisten Menschen Figuren wie den Bären Petzi, der die Welt entdeckt, oder den Elefanten Babar mit seiner goldenen Krone. Diese stammen aus quadratischen Kinderbüchern, diese schreibt man mit „x“. Barbi Marković aber schreibt ihr „Piksi-Buch“ mit „ks“ und meint damit den Fußballer Dragan Stojković, Kapitän der jugoslawischen Nationalmannschaft und Pedant zu Diego Maradona.
Von der deutschen Akademie für Fußballkultur wurde der Band 2025 zum „Fußball-Buch“ des Jahres gekürt. Doch dieses Buch auf diesen Sport zu reduzieren, griffe viel zu kurz. Barbi Marković, 1980 in Belgrad geboren, verwebt subtil Fußball-Fanatismus mit ihrer eigenen Kindheitsgeschichte und dem Zerfall Jugoslawiens.
Wohnung und Stadion
Regisseurin Bérénice Hebenstreit arbeitete den Text mit Anita Buchart für eine Produktion von Das Teata um. Im Theater am Werk in Meidling führt sie in Match-Länge inklusive Nachspielzeit und Elfmeterschießen vor, was dem Jugoslawienkrieg voranging. Die Bühne (Mira König) ist Wohnung und Stadion in einem.
Das Geschehen beginnt so harmlos wie ein Pixi-Buch. Die kleine Barbi feiert ihren achten Geburtstag mit ihrem Vater Slobodan Marković auf dem Fußballplatz des Belgrader Sportklubs (BASK). Dabei hasst sie Fußball, auch der Vater ist kein typischer Fan, sondern ein hedonistischer Exzentriker, der sich einen Sohn gewünscht hätte. Mit dem Staub von Piksis Fußballschuhen will er dem Kind einen besonderen Zauber verleihen. Doch die Kleine hat einen Hang zu Ohnmachtsanfällen. Der Vater verlässt die Familie und kehrt nur gelegentlich zurück, um die Tochter zu sehen – und vergisst er am Ende auch ihren Namen.
Nicht nur die Familie zerfällt. Der aufkommende Nationalismus wird immer ärger. Das Match Roter Stern Belgrad gegen Dinamo Zagreb findet wegen vorangehender Kämpfe der Fans gar nicht statt. Das Match Jugoslawien gegen Argentinien beim WM-Viertelfinale 1990 in Florenz wird zum Hoffnungsspiel. Man hofft, ein Sieg könnte das zerfallende Jugoslawien einen ...
Alle im Ensemble lassen die Essenz des Textes spüren. Vivienne Causemann und Una Nowak verkörpern die Autorin furios. Sebastian Klein changiert virtuos zwischen der Rolle des Vaters und einem Sportreporter. Das Faszinierende an seiner Performance ist nicht nur sein phänomenaler Kommentar, verstörend vermittelt er die Verzweiflung über die verspielte Hoffnung.
Kommentare