"Glaube Liebe Hoffnung" im Akademietheater: eine Grottenbahnfahrt

Regisseurin Lucia Bihler, die u. a. mit der Dramatisierung von Franz Kafkas "Verwandlung" begeistern konnte, scheiterte.
Thomas Trenkler
46-223799288

Ödön von Horváths arbeitslose Elisabeth lässt den Kopf nicht hängen – trotz der widrigen Umstände. Sie versucht, anständig zu bleiben, scheitert aber mehrfach, unausweichlich, an der Männerwelt und stürzt sich in den Kanal. Damit endet der Totentanz „Glaube Liebe Hoffnung“ jedoch nicht. Denn Elisabeth, die sich unbeholfen als Vertreterin für Damenmiederwaren versucht hatte, wird gerettet. Noch ist ein Funken Leben in der Ohnmächtigen.

Genau da setzt die Inszenierung von Lucia Bihler an, die am Donnerstag im Akademietheater Premiere hatte: Die junge Frau, unschuldig weiß in ihrer Unterwäsche samt Strümpfen und Strumpfbandgürtel, sinkt vom Bühnenhimmel herab. Nicht, wie erst unlängst in den Linzer Kammerspielen, in eine märchenhafte Seerosenteich-Idylle, sondern in eine Art Vorhölle. Dort laufen noch einmal die Dinge des Lebens ab.

Weil es nur mehr um die entscheidenden Momente geht, hat Bihler das ohnedies recht karge Drama, 1932 auf Anregung des Gerichtssaalreporters Lukas Kristl entstanden, brutal um Nebenfiguren und Atmosphärisches gekürzt. Aber ihm damit auch den Horváth genommen. Stattdessen gibt es eine 80-minütige Fahrt mit einer Grotten- und Geisterbahn (durch ein gemaltes Riesenmaul-Portal samt bedrohlich rot aufleuchtenden Augen) zu irgendwelchen Fantasy-Wesen, deren lange Ohren an Commander Spock erinnern.

Die Anthrazit-Höhle, von Pia Maria Mackert sanft gruselig mit vielen Schädeln dekoriert, könnte tatsächlich eine Attraktion des Oktoberfestes gewesen sein, das Kasimir und Karoline besucht haben. Doch es ist derart aufdringlich, dass selbst ein romantisches Originalzaubermärchen von Ferdinand Raimund untergegangen wäre.

Die fünf zotteligen wie gehörnten Gremlins, die aus dem Dunkel dieser prächtigen Musical-Kulisse auftauchen, schlüpfen in diverse Rollen. Für die Verwandlung reichen Sabine Haupt (die den Schwanz als Peitsche knallen lässt), Andrea Wenzl, Dietmar König und Tilman Tuppy glänzendschwarze Gummi- und Latexutensilien. Aber in den grotesken Kostümen von Victoria Behr und Caroline Haberl können sie nur mehr die Funktion von Schachfiguren erfüllen.

46-223798464

Dass die Partie, von Alyona Pynzenyk unter anderem mit Geigengekrächze untermalt, nicht einmal remis ausgehen wird, zeichnet sich bereits nach ein paar Minuten ab. Lediglich der  puppenhaften Elisabeth ist Menschlichkeit gestattet: Marie-Luise Stockinger irrlichtert, mitunter gar Wienerisch redend, verzweifelt und derangiert durch die von Nebelschwaden geflutete Unterwelt. Obwohl ihre Elisabeth den Kopf nicht hängen lassen will, lässt sie schließlich alle Hoffnung fahren. Man kann’s ihr nicht verdenken.

Kommentare