Kultur
12.11.2018

Ballett: Legris ist mit „Sylvia“ ein Meisterwerk gelungen

Wiener Staatsoper. Nikisha Fogo glänzte in der Titelrolle so sehr, dass sie im Anschluss zur Ersten Solotänzerin ernannt wurde.

Mit seiner erst zweiten abendfüllenden Choreografie für das Wiener Staatsballett ist Manuel Legris mit „Sylvia“ zur Musik von Léo Delibes an der Wiener Staatsoper ein Meisterwerk gelungen, das wie kaum ein anderes Ballett im Repertoire des Hauses Brücken zwischen verschiedenen Tanzstilen und deren Hochblüte im 19. Jahrhundert zur Gegenwart baut. Mit Präzision, Musikalität und Stilgefühl führt Legris die Tänzerinnen und Tänzer zu Höchstleistungen, noch stärker als bisher bringt er die Seele des Tanzes ein.

Aus tanzhistorischer Sicht ist „Sylvia“ nicht zuletzt als eine Verbindung des 1876 in Paris uraufgeführten Balletts zu den großen russischen Tschaikowsky-Klassikern zu sehen, das eine nicht denkbar ohne das andere. Und doch fallen Unterschiede auf, nicht zuletzt eine besonders differenzierte Ausführung für das Corps de ballet.

Die Handlung, von Legris und Jean-François Vazelle dramaturgisch schlüssig gestrafft, spielt dabei keine große Rolle. Viel wichtiger sind stimmige Schilderungen von Szenen, in denen Götter und Menschen aufeinandertreffen, wobei die Romantik des 19. Jahrhunderts der Hintergrund einer Märchenwelt ist, für die Luisa Spinatelli eine dezente wie elegante Ausstattung schuf. Hier sind es nicht die Kostüme, die glitzern, sondern die Tänzerinnen und Tänzer, die im Mittelpunkt stehen.

„Sylvia“ in Bildern

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Erste Solotänzerin

Dazu gelingt Legris auch eine Charakterisierung der Rollen mit tänzerischen Mitteln. Die junge, in Stockholm geborene Nikisha Fogo glänzte in der Titelrolle so sehr, dass sie im Anschluss auf offener Bühne von Operndirektor Dominique Meyer zur Ersten Solotänzerin ernannt wurde. Ketevan Papava zeigt eine starke, am Ende aber doch gefühlvoll agierende Diana, während Denys Cherevychko als Sylvias Liebhaber Aminta brilliert.

Sehr erfreulich, dass Davide Dato als Bösewicht Orion nach langer Verletzung wieder in Topform ist, und Mihail Sosnovschi gibt einen bravourösen Eros.

Das Orchester der Staatsoper unter Kevin Rhodes sorgt für eine differenzierte Wiedergabe von Delibes Musik mit der bekannten Pizzicato-Szene im dritten Akt.

Von Silvia Kargl