Bad Bunny beim Super Bowl: Der Rekord-Musiker, der Trump wüten lässt

Mehrere Menschen sitzen an roten Tischen vor einer großen Werbewand für den Super Bowl LX Apple Music Halftime Show.
Wer ist der aus Puerto Rico stammende Musiker Bad Bunny, der beim Super Bowl auftritt, Donald Trumps Feindbild ist, Taylor Swift überholt hat und die Latino-Musik umgekrempelt hat?

Im Herbst hat Bad Bunny eine Hausübung aufgegeben. Nachdem bekannt gemacht worden war, dass der derzeit berühmteste Puertoricaner die Halbzeitshow des Super Bowl (am Sonntag) gestalten wird, trat er in der Comedy-Sendung „Saturday Night Live“ auf. Dort sagte er auf Spanisch, dieser Auftritt sei für alle Latinos: „Unsere Fußspuren und unseren Anteil an diesem Land kann niemand wegwischen.“ Und dann fügte er auf Englisch und mit keckem Blick hinzu: „Und wenn Sie jetzt nichts verstanden haben, haben Sie vier Monate Zeit, Spanisch zu lernen. “

Einer, der sich nicht flugs Duolingo installiert hat, war Donald Trump. Für den US-Präsidenten war die Ansage naturgemäß eine Provokation. Eine, die es gar nicht gebraucht hätte. Denn Bad Bunny ist als Person eine Provokation für Trump und seine zutiefst weißen Gefolgsleute.

Ein Mann im Smoking - Bad Bunny - steht emotional mit einer Trophäe auf einer Bühne vor einem Mikrofon.

Am Sonntag erhielt Bad Bunny den Grammy für das beste Album des Jahres. Es war das erste Mal, das ein rein spanischsprachiges Album in dieser Kategorie gewonnen hat.

Nicht amerikanisch genug

Der als Benito Antonio Martínez Ocasio geborene Musiker hat seine Karriere bis jetzt aus MAGA-Perspektive trefflich unamerikanisch bestritten. Er singt nur auf Spanisch, seine Songs zehren stolz von den musikalischen Traditionen seiner Heimat Puerto Rico, und dann setzt er sich auch noch für soziale Gerechtigkeit und LGBTQI-Belange ein. Auf seiner Welttournee spart der 31-Jährige das US-Festland aus, weil er Sorge hat, dass die Immigrationsbehörde ICE dort gezielt Razzien veranstaltet. Bei der Grammy-Verleihung vergangenen Sonntag hat er in seiner Dankrede für den Preis für das beste Album ein Verschwinden der brutal vorgehenden ICE gefordert.

Eine Fox-News-Moderatorin meinte gar, Bad Bunny sei kein amerikanischer Künstler. Das ist unrichtig, denn Puerto Rico ist nicht eingegliedertes US-Territorium – gehört also zu den USA, ist aber kein Bundesstaat. Das Halbwissen bleibt jedoch wie so oft kleben – und daher gibt es nun am Sonntag eine „rein-amerikanische“ Gegenveranstaltung – Trump-Fan Kid Rock tritt da zum Beispiel auf.

Bunte Wandmalerei mit einem abstrakten Porträt von Bad Bunny, umgeben von kindlichen Figuren, während mehrere Menschen vorbeigehen.

In seiner Heimat Puerto Rico ist Bad Bunny eine Art Nationalheiligtum.

Riesige Zielgruppe

Die Football League NFL gilt nicht unbedingt als interessiert daran, solche politischen Fronten aufzumachen. Hier ist es geschehen, weil die NFL einen etwas anderen Zugang zur Latino-Community hat als die Trump-Administration. Sie will die 70 Millionen Menschen (in den USA) als Kundschaft gewinnen. Schon 2020 gab es einen Schritt in die Richtung: Da traten Shakira und Jennifer Lopez beim Super Bowl auf. Bad Bunny war auch dabei.

Traditionserneuerer

Und Bad Bunny ist auch jetzt für diesen Zweck der Mann der Stunde. Anders als etwa Shakira, die für eine internationale Karriere vom Spanischen ins Englische wechseln musste, wie so viele Latin-Stars vor ihr, hat Bad Bunny von Anfang an Widerstand geleistet. Und einen Paradigmenwechsel eingeleitet.

Seine Karriere begann er als Erneuerer des in Puerto Rico entstandenen Reggaeton (für alle, die sich ab und zu auf einer Tanzfläche befindet: der Hit „Gasolina“ von Daddy Yankee folgt diesem Rhythmus). Er verbindet Reggaeton, Latin Trap, Dancehall, Hip-Hop und andere karibische Einflüsse miteinander zu einem tanzbaren, hypnotischen und irgendwie auch lehrreichen musikalischen Chaos. Überhaupt auf seinem aktuellen Album „Debí tirar más fotos“, das eine Hommage an die reiche Kultur seines Landes ist. Es modernisiert verschiedenste Einflüsse von Salsa bis Plena (perkussionslastig, erfunden Anfang des 20. Jahrhunderts als „gesungene Zeitung“ der Arbeiterklasse) und Bomba (über 400 Jahre altes Trommel-Tanzmusikgenre der afrikanischen Diaspora). Textlich geht es auf dem Album um Gentrifizierung der Insel und Sehnsucht nach Unabhängigkeit von den USA.

Missmutiges Häschen

Bad Bunny – der seinen Künstlernamen einem Kinderfoto, auf dem er im Häschenoverall übellaunig blickt, verdankt – hat mit dieser Musik immensen globalen Erfolg. Von 2020 bis 2022 war er drei Jahre in Folge der meistgespielte Künstler auf Spotify. Er ist der meistgehörte Künstler weltweit, auch Taylor Swift muss sich hinten anstellen.

Bad Bunny trägt einen weißen Anzug mit offenem Rücken und langer Schleppe aus weißen Stoffblumen, umgeben von Fotografen.

Für den modeaffinen Bad Bunny ist die Met Gala ein Pflichttermin.

Wrestler mit Nagellack

Dazu trägt wohl seine vielschichtige Persona bei: Ungeachtet eines vielleicht erwartbaren Machismo lackiert sich Bad Bunny auch schon mal die Fingernägel oder trägt als Fashion-Statement einen Rock. Die exzentrische Met-Gala ist für ihn Pflichttermin. Auf der anderen Seite war er gern gesehener und leidenschaftlicher Gaststar bei Wrestlingmatches.

Der Mann weiß jedenfalls, wie Show geht. Wie viel politische Sprengkraft seine Super-Bowl-Show haben wird, wird sich zeigen. Auf dem Plakat zur Show zeigt er sich schon mal mit Pava – dem typischen puertoricanischen Strohhut.

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