Babler will Umgang mit Werken von Otto Muehl prüfen lassen
Im Wiener Aktionismus Museum gibt Geschäftsführer Klaus Albrecht Schröder am Dienstag anlässlich der Wiedereröffnung Einblick in den erfolgten Umbau und die Schau "Hermann Nitsch - 1960 bis 1965". Zuletzt war der ehemalige Albertina-Direktor jedoch mit seinen Aussagen rund um Otto Muehl und die später abgesagte Retrospektive im Herbst in den Schlagzeilen. Nun kündigt Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) einen Expert*innen-Rat zum Umgang mit Kunst in Gewaltkontexten an.
Der Vizekanzler will den Umgang mit Werken von Otto Muehl prüfen lassen. "Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie wir aufarbeiten", heißt es in einer Aussendung aus dem Minister-Büro. "'Zeitgeist'-Relativierung, Werk-Person-Trennung und selektives Zeigen von Werken greifen zu kurz." Versuche des Umgehens, des Wegwischens und Ignorierens würden "den Menschen nicht gerecht, die Missbrauch erlitten haben, und Gerechtigkeit schulden wir." Anstoß für die Gründung des Expert*innen-Rats auf Ebene der Bundesmuseenkonferenz seien "die anhaltenden Debatten um die Werke Otto Mühls, von denen in den Sammlungen der Bundesmuseen zum Teil große Bestände vorhanden sind". Muehl wurde in den 1990er-Jahren wegen Unzucht und Beischlaf mit Minderjährigen und Vergewaltigung in der sogenannten Muehl-Kommune zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Otto Muehl starb 2013.
Nicht auf den Fall Muehl beschränkt
Einen Maßstab in der kuratorischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung habe die Kunsthistorikerin Marie-Therese Hochwartner in Kooperation mit der Gruppe "Mathilda" im Rahmen der Ausstellung "Vom Kunstwerk zum Artefakt" und dem laufenden Forschungsprojekt "Wiener Aktionismus revisited" am mumok gesetzt, so Babler. Die Frage nach dem Umgang mit Kunst in Gewaltkontexten sei dabei nicht auf den Fall Otto Muehl beschränkt.
"Wir haben eine zweifache Verantwortung: Die Verantwortung gegenüber Betroffenen von Gewalt zur Aufarbeitung und zur Kontextualisierung. Das ist eine Frage des Respekts gegenüber den Menschen", so Babler. "Und wir haben eine Verantwortung gegenüber der Kunst, hier behutsam, mit offenem Blick neue Wege zu gehen. Wegschauen und Verdrängen, indem wir problematische Werke im Lager verstauben lassen, ist keine Auseinandersetzung, sondern ihr Gegenteil."
Statt der geplanten Retrospektive im Wiener Aktionismus Museum will Schröder nun einzelne Schaffensperioden Muehls zeigen, bei denen "die Qualität des Werks sichtbar" werden solle, "ohne den Künstler von seiner Schuld freizusprechen", hieß es Ende Jänner im "Standard".
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