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Kultur
09/06/2020

Autorin Annie Proulx: Klimawandel ist "die andere Pandemie"

Die Autorin von „Brokeback Mountain“ und „Aus hartem Holz“ über Corona, Trump und Klimawandel.

von Georg Leyrer

Mit einer kurzen Geschichte, die verfilmt und später auch zur Oper wurde, hat Annie Proulx ein neues Licht auf eine nur vordergründig bekannte Welt geworfen: „Brokeback Mountain“ erzählt von Liebe und Sex zweier Cowboys – und den tief sitzenden Vorurteilen, die ihnen begegnen. Und doch viel mehr: Sie wollte auch den Mangel an Jobs in den ländlichen Gegenden der USA thematisieren, so die Autorin zum KURIER; ein Thema, das zuletzt Donald Trump für seine Politik ausgeschlachtet hat.

Die Hauptfiguren ihrer Erzählung waren ja, so Proulx, „nur Möchtegern-Cowboys. Schafe zu hüten ist ja so uncowboy-haft wie nur irgendetwas im Wyoming der 1960er.“

Die 85-jährige Autorin – bekannt u. a. auch für „Schiffsmeldungen“, das mit Kevin Spacey, Julianne Moore, Judi Dench und Cate Blanchett verfilmt wurde – widmet sich in ihren Büchern in emotionalen Bildern dem amerikanischen Nordwesten.

Kommende Woche nun ist die Pulitzer-Gewinnerin Teil eines österreichischen Literatur-Festivals – wenn auch von Amerika aus. Denn das in Hall in Tirol beheimatete „Sprachsalz“-Festival findet heuer wegen der Pandemie online statt.

Die 18. Ausgabe des Festivals findet auf YouTube und Facebook statt: Von 11. bis 13. September gibt es online übertragene bzw. abrufbare Lesungen u. a. von Annie Proulx, Friederike Mayröcker, Daniel Kehlmann, Stewart O’Nan, Deborah Feldman, Ocean Voung und A. L. Kennedy

Interaktiv

Das Publikum kann via Chat mit den Autoren diskutieren. Alle Infos und Links unter

www.sprachsalz.com

Wie Corona sie beeinflusst hat? Für sie als „einsiedlerische Autorin“ war das Zuhausebleiben „Business as usual“, so Proulx, und das Fliegen vermeidet sie soundso. „Aber ich vermisse es, essen zu gehen, in Bibliotheken und Museen. Der Stress in allen ist greifbar, und ich bin nicht immun.“

Und ja, sie hat geschrieben – „keine Fiktion, sondern Essays über die Natur. Die leidet, an unserer anderen stressreichen Pandemie, dem Klimawandel. Ich bin tief besorgt davon, dass Feuchtgebiete verschwinden, Feuer wüten, der Meeresspiegel steigt. Und vom Auftauchen von Viren, das mit dem Eindringen des Menschen in einst wilde Teile der Natur zusammenhängt.“

Ein Thema, das Proulx in ihrem jüngsten Buch behandelt. „Aus hartem Holz“ erzählt von der Eroberung Amerikas durch die Europäer – und das damit einhergehende Verschwinden der historischen Wälder des Kontinents.

Das Klima kippt

Ein geschichtlicher Blick auf ein aktuelles Thema. Denn jetzt, wenige Jahrhunderte später, bewege sich die Welt „immer näher an viele erschreckende Kipppunkte heran, nach denen die Menschen keine Kontrolle mehr über den Klimawandel haben werden“.

Manche seien deswegen besorgt, sagt Proulx – und andere „arbeiten fieberhaft daran, die letzten natürlichen Ressourcen an sich zu reißen, um ihr eigenes unmittelbares Wohlbefinden oder das ihrer Familie zu verbessern. Wir sitzen auf einem durchgegangenen Pferd und verlieren die Zügel aus unseren Händen.“

Gibt es da gar keine Hoffnung, dass die Menschheit diese Zügel noch herumreißt? „Wir haben eine Chance. Aber die Frage ist, ob wir die Kraft haben. Menschen sind die fähigkeitenreichste Art auf diesem Planeten und sehr widerstandsfähig. Die können noch eine lange Zeit bestehen.“

„Schmutziger Kampf“

Politisch ist der Klimawandel in den USA für den wissenschaftsfeindlichen Donald Trump keine Priorität. Wird Trump im November abgewählt? „Alles, was ich sagen kann, ist dass wir die besten Plätze am Ring haben, um einen großen, schmutzigen Kampf zu verfolgen.“

Die Veränderungen durch die Corona-Krise jedenfalls werden diesen Wahlkampf überdauern. Wie tiefgehend diese sein werden?

„Das werden wir erst im Laufe der Zeit merken“, antwortet Proulx. „Aber einige kleine Veränderungen zeigen, dass wir interessierter sind an steinzeitlichen Lebensweisen. Covid-19 scheint unser Interesse am Gemüseanbau wieder angefacht zu haben. Zum Teil, wie ich denke, weil es gegen Stress hilft. Aber auch, weil der Anbau von eigenem Obst und Gemüse eine Grundversorgung sicherstellt. Selbst in den überfütterten USA gibt es Anzeichen von Hunger.“

Auch die Kultur verändere sich: Da viele Institutionen geschlossen sind, werden viele Veranstaltungen online abgehalten – dies habe einen „leblosen Beigeschmack“ und sei ein „Lückenbüßer“, sagt Proulx. Das gemeinsame Erlebnis fehle – „wer weiß, vielleicht inspiriert das Menschen, zu singen oder ein Instrument zu spielen, ihre eigenen Geschichtenerzähler zu sein oder Skulpturen zu schaffen: Jeder sein eigener Musiker/Künstler/Autor!“

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