Kultur 07.05.2018

Ausstellung: Wie "Mein Kampf" zu einem Kochbuch wird

© Bild: Andreas Joska

"Kein Mampf" nennt sich das Projekt des Künstlers Andreas Joska, das im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands zu sehen ist.

Nichts macht Hitler kleiner als ein guter Witz über ihn, findet Andreas Joska. Er hat sich einen ziemlich elaborierten ausgedacht, der ihn über die nächsten Jahre beschäftigen wird: "Als vor zwei Jahren das Copyright für "Mein Kampf" auslief, kam in mir der Wunsch auf, das Buch zu zerstückeln." Buchstabe für Buchstabe zerschneidet und zerstört er Adolf Hitlers 1925 erschienenes Propagandabuch "Mein Kampf". Und es ist ihm ein Genuss, sagt er. "Ich lese es nicht ganz, aber natürlich liest man hin und wieder eine Zeile beim Zerschneiden und es strotzt vor Hass, irrem Hass." 

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Es ist eine Sache, eine gute, entsetzlich aufwändige Idee zu haben; aber nochmal eine ganz andere, sie wirklich durchzuziehen. 782 Seiten, rund eineinhalb Millionen Buchstaben lang. "Dass ich ein Kochbuch daraus machen würde, wurde mir erst klar, als ich schon einige Seiten zerschnitten hatte. Ich spielte mit den Buchstaben des Titels und daraus entstand "Kein Mampf"", sagt Joska. Aus etwas Gefährlichem wird Nützliches, aus böse wird gut. In mühsamer Kleinarbeit. Und kochen, sagt er, funktioniere so ähnlich wie sein Projekt: "Man nimmt auch Dinge, zerschneidet und vermischt sie und am Ende kommt meistens etwas gutes dabei heraus."

© Bild: Andreas Joska

"Die ersten Rezepte dafür stammen von Freunden", erzählt er. Vor Kurzem wurde das Projekt mir dem Franzl-Design-Award prämiert und nun werden zwanzig der Rezepte im  Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands ausgestellt - ab dem 8. Mai, dem Tag der Befreiung im Gedenkjahr 2018. Denn das Projekt soll durchaus politisch sein, trotz oder gerade wegen des humoristischen Aspekts. "Mit dem Projekt will ich die Betrachter dazu bringen, sich wieder mit dem schwierigen Thema des Dritten Reichs und dem damit verbundenen Elend zu beschäftigen.

Der humorige Titel ist dabei nur Mittel zum Zweck", sagt  Joska. "Wir erleben gerade wieder, dass sich stabil geglaubte Demokratien innerhalb kurzer Zeit zu Diktaturen entwickeln und es ist mir wichtig drauf hinzuweisen, dass es eben nicht selbstverständlich ist, im Frieden zu leben."

( kurier.at , tre ) Erstellt am 07.05.2018