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Ausstellung im JMW: Treffen sich Muslim, Christ und Jude ...

Es könnte so einfach sein, denn wir sind alle Menschen. Das ist die Botschaft des israelischen Künstlers Eran Shakine. Nicht jeder will sie hören.
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Es beginnt wie ein Witz. Kommen ein Muslim, ein Christ und ein Jude ...

Bloß, dass sich solche Witze kaum mehr jemand zu machen traut. Manche trauen sich nicht einmal, Bilder auszustellen, auf denen ein Muslim, ein Christ und ein Jude zu sehen sind und auf denen nichts weiter festgehalten wird als: Wir sind alle Menschen.

Der israelische Künstler Eran Shakine wurde genau deshalb voriges Jahr aus einem Museum in Toronto ausgeladen. Die muslimische Community könnte in Zeiten des Kriegs mit dieser Botschaft nicht einverstanden sein, hieß es. Es ist übrigens auch manches Mitglied der jüdischen Community nicht mit Shakines Weltsicht einverstanden, sagt der Künstler zum KURIER. Mit seinem, wie es Barbara Staudinger, Direktorin des Jüdischen Museums Wien (JMW) nennt, „radikalen Idealismus“.

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Dieser Idealismus steht nun im Mittelpunkt der Ausstellung „A Muslim, a Christian, and a Jew“, in der mit scheinbarer Leichtigkeit die großen Fragen unserer Zeit behandelt werden. Fragen, die die Gesellschaft so komplett auseinanderzureißen scheinen: Nach Religion, Identität, Zusammenleben.

Einfach, aber kompliziert

Shakines fast rührend einfache Antwort ist gleich im ersten Raum zu sehen: Auf einem gezeichneten Time-Magazin-Cover hält eine Madonnen-Figur drei Babys im Arm – Untertitel: „Mutter bringt eineiige Drillinge zur Welt: ein Muslim, ein Christ, ein Jude.“ Die Botschaft dieses Schlüsselwerks zur gesamten Ausstellung: Die monotheistischen Weltreligionen, allesamt fragwürdig in ihrer jeweiligen Behauptung einer ideologischen Vorrangstellung, haben alle den gleichen Ursprung.

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Später in der Ausstellung werden aus den Babys drei Herren mit Hut, die die Welt und deren Grenzen erkunden. Die an Lessings „Nathan der Weise“ erinnernden Bilder vermitteln: Wir wollen alle das Gleiche. Jeder will an Gottes Tür klopfen oder, wie es in einer eigens für das JMW geschaffenen Zeichnung, auf der das Riesenrad zu sehen ist, heißt: „Ein Muslim, ein Christ und ein Jude drehen am selben Rad.“

Mit der vermeintlichen Gewissheit dieser drei, mit „Gott“, kann Shakine selbst nicht rasend viel anfangen, wie er sagt. Besonders schön kommt das zum Ausdruck in einem Bild, auf dem hinter den drei Herren ein Hund läuft. Untertitel: „Muslim, Christ und Jude waren sich nicht bewusst, dass das Glück ihnen nun schon eine ganze Weile hinterherlief.“ 

Die Frage „Brauchen wir Erlösung?“ würden sich diese drei Religionen alle stellen, sagt Kurator Hannes Sulzenbacher. Ihre Antwort sei ähnlich, ebenso wie ihr Potenzial, Freude zu empfinden. „Oft aber verlieren sie genau diesen Fokus vor lauter Erlösungen. Sie merken gar nicht, dass es ein Glück gibt, das hinter ihnen läuft, während sie durch die Welt stapfen auf einem Weg, von dem keiner weiß, wohin er führt.“

Bewegend in ihrer schlichten Botschaft sind diese wie hingeworfene Skizzen wirkenden „Anti-Karikaturen“. Kreidezeichnungen, manchmal auch Scherenschnitte oder Collagen, einige Bilder in farbiger Acrylmalerei. Naiv jedoch ist hier tatsächlich gar nichts. Das schreckliche Morgengrauen nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober, unter anderem auf ein Musikfestival, bei dem hunderte Menschen ermordet wurden, wird hier nicht ausgespart: Buntes Papier, Stofffetzen, Reste des Feierns auf einer Tanzfläche. Darauf malte Shakine seine Bilder, ganz so, „als ob es noch Hoffnung gäbe.“

Einige der hier zu sehenden Bilder wurden eigens für das JMW angefertigt, so etwa im vorletzten Raum der „Tunnel of Love“, den Shakine direkt an die Wand gemalt hat. Im letzten Raum dürfen die Besucher dann selbst an die Wand zeichnen. Die Farbe ist, vorsichtshalber, abwaschbar. Was tun mit kritischen Wortmeldungen? Shakine würde diese auf jeden Fall für weitere Arbeiten verwenden. Ob hier alles stehen dürfe? Eine Grenze, sagt Kurator Sulzenbacher, sei das Strafrecht.

Die Hauptbotschaft der Ausstellung: „Wir Menschen stehen uns in unserem Sein, in unserer Verletzlichkeit, in unserer Ortlosigkeit, in den Fragen, die wir uns stellen, letztlich alle gleich gegenüber. Auf Wienerisch: Alles die gleichen Deppen.“