Kultur
22.03.2018

Ausstellung im Literaturmuseum: Als Wien Weltgeltung erlangte

© Bild: Österreichische Nationalbibliothek

Die Ausstellung „Berg, Wittgenstein, Zuckerkandl“ wirft Schlaglichter auf die Wiener Moderne.

Wer waren eigentlich die „ Zentralfiguren der Wiener Moderne“? Karl Kraus, Giftspritze und Herausgeber der 1899 von ihm gegründeten Zeitschrift „Die Fackel“? Arnold Schönberg, Erfinder der Zwölftontechnik? Gustav Klimt? Ernst Mach? Sigmund Freud? Otto Neurath? Kurt Gödel? Adolf Loos? Otto Wagner? Gustav Mahler, Direktor der Hofoper? Oder Josef Hoffmann, Mitbegründer der Wiener Werkstätte?

Das Literaturmuseum der Nationalbibliothek (ÖNB) im ehemaligen Hofkammerarchiv beantwortet die Frage pragmatisch – nach den vorhandenen Beständen – mit Alban Berg, Berta Zuckerkandl und Ludwig Wittgenstein. Der Komponist, die Journalistin und der Philosoph hätten sich, so verdeutlicht eine Schautafel, im Zentrum eines gewaltigen Netzwerkes befunden – auch wenn die Verbinungen untereinander keine großen gewesen sein dürften. Die drei „Figuren“ stehen in der Sonderausstellung „Berg, Wittgenstein, Zuckerkandl“ ( bis 17. Februar 2019 ) daher als Solitäre nebeneinander; sie geben aber – aufgrund all der Verbindungslinien und ausgestellten Materialien – vielfältige Einblicke in die Zeit, als Wien in mehreren Disziplinen Weltgeltung erlangte.

Im Fokus stehe, so Direktor Bernhard Fetz, die Literatur. Denn Berg (1885–1935) verstand sich als „Musik-Schriftsteller“, Wittgenstein (1889 – 1951) vertrat die Ansicht, dass man Philosophie „eigentlich nur dichten“ dürfte – und Berta Zuckerkandl (1864–1945) pflegte Kontakte nicht nur zur Politik und zur Kunst: In ihren Salons waren auch Stefan Zweig, Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler zu Gast.

Namedropping

Von ihrem Enkel Emile Zuckerkandl, 2013 gestorben, kaufte die ÖNB im letzten Jahrzehnt viele Dokumente, Autografen und Fotografien an. Manche sind nun zum ersten Mal ausgestellt. Herausragend ein bisher unbekanntes Porträt aus 1886, gemalt von Vilma Elisabeth von Parlaghy Brochfeld, in dem Berta Zuckerkandl nicht ganz so ernst oder traurig schaut.

In den historischen Stellagen entdeckt man Briefe von Max Reinhardt, Otto Bauer, Ignaz Seipel, Hermann Bahr, Rainer Maria Rilke u.s.w.

Zudem gibt es etliche „Sidesteps“. Zum Beispiel: Zuckerkandl veröffentlichte 1904 in der Zeitschrift Dekorative Kunst einen Hymnus auf die unglaublich luxuriöse Inneneinrichtung von Kolo Moser „für ein junges Ehepaar“; auf einer der Fotografien sieht man über der Wäschetruhe im Schlafzimmer zwei Klimt-Zeichnungen. In der Schau hängen nun eben diese Frauenporträts im Original. Mit Zuckerkandl haben sie jedoch nichts zu tun.

Im Zusammenhang mit Berg geht es natürlich in erster Linie um das von Schönberg 1913 im Musikverein dirigierte Konzert. Es geriet zum Skandal, weil neben Wagner und Mahler auch Kompositionen von Webern, Zemlinsky und eben Berg zu Gehör gebracht wurden. Und bei Wittgenstein steht die Entstehung des 1918 vollendeten „Tractatus logico-philosophicus“ im Vordergrund. Die ÖNB besitzt schließlich jede Menge Unterlagen – und zwei ausgestellte Originaltyposkripte.