Kultur
19.04.2018

Auslastung nur 56 Prozent: Sanierungsfall Volkstheater

Trenklers Tratsch: Die Kennzahlen des Volkstheaters sind trist, Beate Meinl-Reisinger (Neos) fordert Maßnahmen.

Der KURIER traf Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), der seinen Rückzug bekannt gegeben hatte, am 13. April im Rathaus zum Interview. Auf die Frage nach dem Sanierungsfall Volkstheater antwortete er, wie man tags darauf lesen konnte: „Ich wäre kein guter Kulturstadtrat, wenn ich bei einer Auslastung von 62 oder 65 Prozent sagen würde: Jetzt ist Schluss!“ Direktorin Anna Badora sollte „ein längerer Atem“ zugestanden werden.

Der Kulturstadtrat nannte hohe Zahlen – wider besseren Wissens. Denn bereits am 10. April hatte er auf eine Anfrage von Beate Meinl-Reisinger, der Wiener NEOS-Chefin, eine Auslastung von 57 Prozent im Jahr 2016 beziehungsweise von 56 Prozent im vergangenen Jahr einbekannt. Und selbst diese Zahlen waren nur durch das großzügige Verschenken von Karten zu erzielen gewesen: 2016 lag der Anteil der Freikarten bei 8,2 Prozent! Konkret wurden für alle Spielstätten zusammen, inklusive der Roten Bar und dem Hundsturm (nun Volx Margareten) bloß 138.977 Karten ausgegeben – und 11.394 davon unentgeltlich. Die Erlöse betrugen 2,32 Millionen Euro. Das heißt, dass man pro ausgegebener Karte lediglich 16,70 Euro erzielte.

Zum Vergleich: Das von Herbert Föttinger geleitete Theater in der Josefstadt kam in der Saison 2016/’17 auf Einnahmen von 9,35 Millionen Euro (vier Mal so viel!) und 290.000 Zuschauer. Im Durchschnitt kostete jede Karte 32,20 Euro (doppelt so viel wie im Volkstheater). Dennoch betrug die Auslastung fulminante 88 Prozent. Der Eigenfinanzierungsgrad lag bei 41 Prozent; das Volkstheater kam 2016 im Haupthaus lediglich auf 20,5 Prozent. Meinl-Reisinger fordert Maßnahmen: „So kann es ja nicht weitergehen!“

Wie trist die Situation ist, beweisen die Spielpläne für April und Mai: An 18 von 61 Tagen setzt das Volkstheater für die große Bühne „Keine Vorstellung“ an. Der Schließtag scheint ein echter Renner zu sein.