Erwin Bohatsch: Ohne Titel (2014), Ausschnitt, Albertina.

© /Albertina, Wien/Erwin Bohatsch

Kunst
06/01/2016

Aus dem Sezierkurs der Malerei

Erwin Bohatschs Werkschau in der Albertina lehrt, die Feinheiten künstlerischer Entwicklung zu sehen. Bis 12. 6.

von Michael Huber

Bei arrivierten Künstlern besteht häufig die Gefahr, dass ihr Werk von der Welt absorbiert wird: Bilder hängen in Privathäusern, Vorstandsetagen, Politikerbüros, auf Kunstmessen und in Überblicksausstellungen – ihre Besonderheit können sie dabei nur mehr bedingt entfalten.

Es braucht also Solo-Ausstellungen wie jene, die die Albertina nun schon seit mehreren Jahren ausrichtet, nicht zuletzt für die einstigen „jungen Wilden“ wie den kürzlich verstorbenen Gunter Damisch, für Herbert Brandl oder eben nun Erwin Bohatsch. Der gebürtige Steirer, Jahrgang 1951, gehört irgendwie der Generation der „Wilden“, die in den 1980er- Jahren am Markt hoch gehandelt wurde, an – und irgendwie auch nicht: Wie die Albertina-Schau gut vor Augen führt, war der Künstler in seinem Schaffen stets ein wenig konzeptueller, meditativer, weniger impulsiv – und blieb doch immer ganz dem Medium Malerei verpflichtet.

Leinwand und Papier

Allerdings hat die Albertina gar nicht so sehr die oft großformatigen, mit feinen, halb transparenten Farbschichten überzogenen Leinwände Bohatschs im Blick. Zwar sind solche Werke wie Marksteine in den Ausstellungsräumen verteilt: Ein nahezu monochrom weißes Gemälde (1999–2001) hängt da etwa einem anderen Großformat von 2014 gegenüber, in das sich langsam die Farben und Formen wieder eingeschlichen haben. Der Großteil der Exponate machen aber Werke auf Papier aus, in denen Bohatsch bestimmte Ideen teils über Jahre hinweg variierte und entwickelte.

Bohatschs Werk erzählt von einer bedächtigen Suche, von einem Prozess des Ausschließens und Wieder-Zulassens: Wenn etwa die Farbe in einer Werkphase aus seinen Bildern verbannt wurde und in einer anderen wieder zurückkehrte, dann tat sie das in veränderter Form und erreichte andere Wirkung.

Je mehr man sich in der Schau auf eine Spurensuche der künstlerischen Entwicklung einlässt, desto weniger erscheinen Farbschlieren, Wischspuren, Bleistiftstriche als Produkte des Zufalls. Bohatschs Vokabular – die typischen Formen, die oft an aufgezeichnete Tonfrequenzen erinnern, die verhaltene Annäherung an gegenständliche Motive – kommt in den Blättern mal in größerer, mal in geringerer Intensität zum Vorschein.

Es ist eine Ausstellung, die die Sinne kalibriert und dazu ermuntert, feine Unterschiede festzustellen. Der Nutzen liegt nicht nur in einer meditativen Erfrischung, die jeder Besucher, jede Besucherin in den Sälen erfahren kann: Auch für die Navigation in Gesellschaft und Politik kann die Fähigkeit zu differenzieren heute gar nicht genug trainiert werden.

Noch bis 12. 6. 2016

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