© Gilbert Novy / Im Kinsky

Kultur
12/05/2011

Auktionen: Kunstkauf ohne leere Kilometer

Der neue Chef des Auktionshauses Im Kinsky, Nikolaus Schauerhuber, über Sammler, Schätze und neue Abgaben.

von Michael Huber

Die Räume des Auktionshauses "Im Kinsky" sind bis in den letzten Winkel vollgehängt: Die Entscheidung des neuen Geschäftsführers Nikolaus Schauerhuber, das Haus für die heute, Dienstag (17 Uhr), stattfindende Auktion ganz der zeitgenössischen Kunst zu widmen, hat unerwartet viele Einbringer bewogen, sich von Werken zu trennen. Im KURIER spricht der ehemalige Ö1-Journalist über den richtigen Zeitpunkt zum Kunstkauf und über die Änderungen am Markt ab 2012.

KURIER: Wie geht es Ihnen damit, Kunstwerke für die Auktionen zu akquirieren?
Nikolaus Schauerhuber: Das macht vor allem unser Expertinnenteam - aber einige Sammler sind auch direkt auf mich zugekommen. Als Journalist habe ich mich wohl mit Kunst beschäftigt, aber zu wenig mit den Preisen - mir passiert es manchmal, dass ich zu hoch greife, weil mir etwas so gut gefällt. Aber ich glaube, es ist im Moment ein guter Zeitpunkt, um zu verkaufen. Auch wenn Leute meinen: Was soll ich dann mit dem Geld, mit Aktien und so weiter - da habe ich lieber Kunst zu Hause hängen und freue mich daran. Aber eben weil so viele Leute Kunst kaufen, ist der Zeitpunkt gut. Sammler sagen ganz ohne Spekulation: Ich habe jetzt die Chance, zwei Bilder, die ich vor 20 Jahren gekauft habe, zu einem guten Preis zu verkaufen, um mir endlich das eine, das ich schon immer wollte, leisten zu können.

Viele Sammler geben sehr schwer etwas aus der Hand. Welche Möglichkeiten gibt es, um sie anzusprechen?
Es gibt Sammlungen, in die ich als Journalist nie eingeladen gewesen wäre - jetzt sehe ich sie, und die Besitzer verkaufen nichts daraus. Wenn wir von Betreuung sprechen, dann drückt sich das sehr oft nicht darin aus, dass wir Bilder bekommen oder verkaufen. Sehr oft fragen uns Menschen, wie wir etwas einschätzen, oder sie suchen etwas, das schwer zu kriegen ist. Das sehe ich nicht als leere Kilometer, sondern als wichtigen Teil des Geschäfts.

Wollen Sie das Haus verstärkt in Richtung zeitgenössischer Kunst positionieren?

Mehr als zwei Zeitgenossen-Termine im Jahr werden wir vorderhand nicht machen. Aber es ist eine Tatsache, dass es wenig junge Sammler für Alte Meister gibt. Die Sammler von morgen kommen leichter über den Weg der Zeitgenossen herein.

Ist seriös abzuschätzen, wie die Ausweitung des Folgerechts ab 2012 (siehe Hintergrund, Anm.) die Kauffreude bremsen wird?

Nicht wirklich. Es wird nicht die Kauffreude bremsen, aber vieles kostet dann eben um vier Prozent mehr - die (in Österreich auf Folgerechtsabgaben geplante) Mehrwertssteuer ausgeklammert. Um 12.500 Euro (maximale Abgabe, Anm.) kann man sich überlegen, wie man etwas billiger verkaufen kann und es z.B. in der Schweiz tun. Das ist ein Riesennachteil für uns.

Bei Künstlern, die ihre Werke einst billig verkauft haben und deren Werke jetzt zu hohen Preisen zirkulieren, scheint es fair zu sein, dass sie und ihre Erben von der Wertsteigerung profitieren.
Das klingt immer so. Doch 2010 haben im Kinsky nur 61 Künstler Anspruch auf eine Folgerechtsvergütung erworben. Davon haben 54 Künstler weniger als 5000 Euro bekommen, und nur sieben mehr als 5000 Euro. Man kann diese Künstler fragen, ob sie das Folgerecht gut finden: Sie sind alle dagegen, weil es dem Marktplatz schadet.

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