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Kultur
09/16/2012

Auf den Spuren der Werkbundsiedlung

Wohnbau für das "Glücksmaximum": Eine Ausstellung im Wien Museum zeigt das ambitionierte Projekt aus dem Jahr 1932.

von Werner Rosenberger

Die einen sprachen von der "modernsten Gartenstadt der Welt". Andere spöttelten im Jahr 1932 über die "Musterkolonie von Zwergenhäusern".

Heute ist man sich einig: Die unter der Leitung des Architekten Josef Frank entstandene Wiener Werkbundsiedlung, vor 80 Jahren als avantgardistisches Bauprojekt der Zwischenkriegszeit in Lainz errichtet, ist ein Architekturjuwel. Die bunten Häuser mit Terrassen und moderner Möblierung sollten Vorbild für Siedlungen im Grünen sein.

Soziale Utopie

In die von 31 renommierten Architekten wie Gerrit Rietveld, Richard Neutra, Adolf Loos, Margarete Schütte-Lihotzky, Josef Hoffmann u.a. gestalteten 70 Musterhäuser der "größten Bauausstellung Europas" zogen erst später Bewohner.

Komplett möbliert, waren sie unter dem Motto "Moderne Haustypen für künftige Siedlungsanlagen – Wirtschaftlichkeit auf engstem Raum" zwei Monate lang öffentlich zugänglich und hatten mehr als 100.000 Besucher. "Das Projekt war ja ein Statement für ein besseres, ein anderes Wohnen und Leben", sagte Wien-Museum-Direktor Wolfgang Kos.

Ein Moderne-Juwel

Nach dem Vorbild der Weißenhofsiedlung in Stuttgart entstanden, war es ein Gegenentwurf zum Wohnbauprogramm des "Roten Wiens" mit seinen riesigen Bauten nach Art des Karl-Marx-Hofes.

Die Schau im Wien Museum illustriert dieses "Manifest des Neuen Wohnens" mit Plänen, Fotos, Modellen, aber auch mit Originalmöbeln sowie der Rekonstruktion eines Zimmers.

Das Ziel war seinerzeit, auf kleinem Raum komfortableres Wohnen zu ermöglichen, sagt der Kurator Andreas Nierhaus: "Damals war stets vom Existenzminimum die Rede. Angestrebt war in Wien das Glücksmaximum."

Aber was in einer von Optimismus und Utopien geprägten Ära realisiert wurde, hatte durch die politischen Ereignissen der 30er und 40er Jahre nur geringe Wirkung auf die nachfolgende Baugeschichte.

 Viele Architekten waren jüdischer Herkunft und mussten wie Josef Frank kurz nach der Werkbund-Ausstellung emigrieren, ebenso einige der Bewohner, wie das im Wien Museum dokumentierte Schicksal der Familie Schanzer zeigt.

Ursprünglich sollten die 70 Häuser verkauft werden, aber durch die Weltwirtschaftskrise gab es  nur 14 finanzkräftige Abnehmer. Die restlichen  Objekte gingen 1938 ins Eigentum der Stadt Wien über und sind seither Gemeindewohnungen.

In den 1950er-Jahren von Architekten wie Wilhelm Holzbauer, Friedrich Kurrent und Friedrich Achleitner wiederentdeckt, wurde die Siedlung in den 70er-Jahren unter Denkmalschutz gestellt und in den 80ern erstmals saniert. 2016 soll die aktuelle Generalsanierung der Werkbundsiedlung abgeschlossen werden.

Wien Museum: Für ein besseres Leben

Ausstellung Vor 80 Jahren wurde die Werkbundsiedlung in Hietzing eröffnet. Die 70 Häuser stellten damals eine Leistungsschau des Wohnbaus dar. "Werkbundsiedlung Wien 1932 – Ein Manifest des neuen Wohnens" beleuchtet die Hintergründe des speziellen Wohnprojektes.

Wann & Wo Bis 13. 1., Wien Museum, 6., Karlsplatz,  Dienstag bis Sonntag und Feiertag., 10-18 Uhr; Eintritt: 6 bzw. 8 €; Katalog  27 €

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