Kultur
23.12.2017

Arthur Millers einziger Roman

Mit der Brille ändert sich alles: Ein amerikanischer Antisemit muss in "Fokus" die Sichtweise wechseln.

Wie sehen Juden aus?

Auf diese idiotische Frage hatte Arthur Miller ("Der Tod des Handlungsreisenden") die beste Antwort: seinen einzigen Roman.

"Fokus" spielt in New York noch während des Zweiten Weltkriegs, in den Zeitungen gab es also noch keine Fotos von Auschwitz und Leichenbergen, Antisemitismus war gesellschaftlich für in Ordnung befunden worden.

Hauptperson ist ein Mann, Newman heißt er, der die Leute gern nach "Rasse" einteilt und es Nachbarn ungemütlich machen will – warum? Weil sie Juden sind.

Und dann braucht Newman eine Brille. Und plötzlich heißt es: "Sie sehen jüdisch aus!" So ändert sich die Sichtweise. AUF ihn und VON ihm. Die 20 Holzschnitte von Franziska Neubert aus Leipzig (Bildaussschnitt unten) , die diese Neuausgabe illustrieren, vermeiden es, Newman zu zeigen. Es geht nicht um ihn. Es geht um die Welt.

Arthur Miller (1915 - 2005) hat darüber 1945 geschrieben; und 1984 notiert: Man frage sich unweigerlich, ob es wieder zu einer solchen Situation kommen könnte. "In den fünfziger und sechziger Jahren hätte ich mir vielleicht einreden können, dass es ziemlich unwahrscheinlich sei ..."


Arthur Miller / Franziska Neubert:
„Fokus“
Übersetzt von
Doris Brehm.
280 Seiten.
28,80 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern