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Kultur
09/14/2021

Aron Stiehl: Ein neuer Intendant mit vielen Plänen in Klagenfurt

Der Chef des Stadttheaters, über Wagner Streaming und seine Pläne

Von Helmut Christian Mayer

Schon am Gang wird man von einem Cockerspaniel namens „Moses“ und dann von Aron Stiehl selbst begrüßt. „Meine Eltern haben mir wegen der gleichnamigen Figur aus dem Kultroman ‚Jenseits von Eden‘ von John Steinbeck diesen Namen gegeben. Deshalb habe ich meinem Hund in Anspielung an die Schönberg-Oper ‚Moses und Aron‘ so genannt,“ erzählt der Intendant des Stadttheaters Klagenfurt schmunzelnd.

Als man dann sein Büro betritt, erklingt Mozarts „Cosi fan tutte“. Mozart ist für mich einer der bedeutendsten Komponisten.“ Diesem Raum hat Stiehl seine ganz persönliche Note verpasst: Alte geschmackvolle Stilmöbel, kleine Bühnenmodelle, ein altes Grammophon und Theaterkostüme auf Puppen. „Dieses hier trug der junge Jonas Kaufmann, als er hier am Haus Mozarts ‚Titus‘ sang“, erklärt er. Wie überhaupt das Stadttheater immer wieder eine Art Sprungbrett für viele Nachwuchssänger war.

Stiehl, der erstmalig ein Haus leitet, hat sich seine erste Saison am Drei-Spartentheater anders vorgestellt:„Durch die Pandemie wurden wir gehörig durcheinandergewirbelt, mussten ständig umplanen und vieles, wie etwa Verdis ‚Rigoletto‘ auf die nächste Saison verschieben. Streaming ist kein Ersatz für reales Theater. Theater ist ein unabdingbarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Jetzt freuen wir uns, dass wir wieder vor Publikum spielen können!“

Gestartet wurde bereits mit Rossinis „Barbier“, und Zellers „Der Vogelhändler“, vom Hausherrn selbst inszeniert. Stiehl zeigte pralles Theater mit viel Spaß und Witz. Ich mag das Stück wegen seiner phantastischen Musik. Wir haben es schon fertig geprobt, mussten die Premiere aber mehrfach verschieben. Ich habe eine eigene Dialogfassung geschrieben mit Christoph Wagner-Trenkwitz als Erzähler.“ Stiehl zeigte pralles Theater mit viel Spaß und Witz. In Klagenfurt hat Stiehl schon öfters inszeniert, neben Operetten, Musicals auch Opern wie „Fidelio“ und „Schlafes Bruder“ von Herbert Willi.

„Das Haus habe ich in einem sehr guten Zustand übernommen. Mir gefällt der Stagione-Betrieb hier viel besser als das Repertoiretheater, weil man damit mit besserer Qualität punkten kann. Auffällig ist, dass Oper und Theater den Menschen hier in Österreich mehr als in Deutschland bedeutet. Das kann ich sagen, denn ich habe 19 Jahre in Berlin gelebt.“

Wichtiger Wagner

Neben zahlreichen Inszenierungen u. a. in Salzburg, Bern, vielen wichtigen deutschen Städte, und auch bei den Bayreuther Festspielen („Liebesverbot“) hat er als Regisseur auch mit Pultstar Zubin Mehta in Israel bei Mozarts „Entführung“ und in Florenz sowie in Valencia bei Wagners „Götterdämmerung“ zusammengearbeitet. „Wagner ist für mich ein ganz wichtiger Komponist, deswegen werden wir hier in Klagenfurt seinen kompletten ‚Ring‘ auf die Bühne bringen, den ich selbst inszenieren werde.“ Gestartet wird am Donnerstag mit der „Walküre“. Auf den Einwand, ob das Haus dafür nicht zu klein sei: „Wagner hat ja eine eigene, reduzierte Coburger Fassung für kleinere Häuser geschrieben. Die werden wir spielen.“ Dirigieren wird sie der neue Chefdirigent Nicholas Milton.

Weiters geplant: Mozarts „Figaro“, den Brigitte Fassbaender inszenieren wird. „Jakob Lenz“ von Wolfgang Rihm, Verdis „Rigoletto“ und als Musical „Annie Get Your Gun“. Beim Schauspiel werden Schnitzlers „Reigen“, Horvaths „Figaro lässt sich scheiden“ und Shakespeares „Was ihr wollt“ aufgeführt. Was ist für Stiehl bei einer Inszenierung wichtig? „Es gibt keine traditionellen oder modernen Inszenierungen, es gibt nur gute und schlechte. Man sollte jedes Stück hinterfragen, was es uns heute noch bedeutet. Aber man sollte immer Respekt davor haben und sich nicht als Regisseur in den Mittelpunkt stellen. Ich lehne den erhobenen Zeigefinger ab. Für mich gilt ‚Prima la musica‘.“

Ich plane in Klagenfurt wegen der Nähe zu den angrenzenden Ländern zudem Stücke aus dem deutsch-österreichischen, dem italienischen und dem slawischen Bereich als Schwerpunkt zu spielen.“

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