Kultur
12/05/2021

Architekt Günther Feuerstein im Alter von 96 Jahren gestorben

Der "Katalysator der Wiener Nachkriegsszene in der Architektur" ist am Samstag im Alter von 96 Jahren gestorben.

Der Architekt Günther Feuerstein ist am Samstag im Alter von 96 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie am Sonntag der APA mit. Demnach verschied der "Katalysator der Wiener Nachkriegsszene in der Architektur", wie der 1925 in Wien geborene Feuerstein einmal bezeichnet worden war, zuhause im Beisein seiner Angehörigen. Er habe sich von einer vor drei Wochen erfolgten Operation nicht mehr erholt, hieß es in der Mitteilung.

Feuerstein arbeitete demnach bis zuletzt "aktiv als Architekturtheoretiker" und veröffentlichte noch im Herbst 2021 sein letztes Buch. "Spektakulär waren die Klubseminare über 'Zeitgenössische Architektur' in den 60er-Jahren", ließ die Familie am Sonntag wissen. Er wirkte als Professor an mehreren österreichischen Universitäten, zu seinen Studenten zählten neben Wolf Prix und Helmuth Swiczinsky mit Coop-Himmelblau, Laurids Ortner von der Haus-Rucker-Co (später O&O Baukunst) auch Wegbegleiter wie Walter Pichler und Raimund Abraham.

Für seinen unermüdlichen wissenschaftlich Einsatz, erhielt er zuletzt den Ehrendoktortitel der TU-Innsbruck und für sein Wirken in der Architekturszene sowie sein Lebenswerk den "Hans Hollein Kunstpreis für Architektur 2021". An der Technischen Universität (TU) Wien wirkte Feuerstein als Assistent von Karl Schwanzer am Institut für Gebäudelehre und Entwerfen (1961-68) und als Lektor für Gegenwartsarchitektur (1966-96). Zudem war er Ordinarius für "Umraumgestaltung" an der Hochschule für Gestaltung in Linz (1973-96). Dabei versuchte Feuerstein im Zeitalter des Funktionalismus, der Fantasie und der Welt der Gefühle zu ihrem Recht zu verhelfen.

Die Arbeit an der TU war vor allem geprägt durch seine Zusammenarbeit mit den Experimentalgruppen "Coop Himmelb(l)au" und "Haus-Rucker-Co". Den intellektuellen Freiraum, den die konservativen Hochschulen der 60er-Jahre noch vermissen ließen, schuf er sich in außeruniversitären Aktivitäten. In "Klubseminaren" oder Veranstaltungen zum "Experimentellen Entwerfen" wurden auch Gesellschaftskritik geübt und Aktionen geplant.

1962 gründete Feuerstein sein eigenes Atelier in Wien. Zu seinen bekanntesten Bauprojekten zählen die Wohnsiedlung Hörsching bei Linz (1967-79), die Wohngruppe Hirschstetten in Wien-Donaustadt (1985-87) und ab 1988 die Revitalisierung des Wiener Augartens. In seiner publizistischen und wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigte er sich mit Randgebieten der Architektur. "Visionäre Architektur - Wien 1958-1988" (1988), "Androgynus - das Mann-Weibliche in Kunst und Architektur" (1996) sowie als zweiter Band "Androgyne Architektur - coincidentia oppositorum" (1998) sind Titel seiner Bücher.

1996 erschien "Visionäre Architektur in Österreich in den 60er und 70er-Jahren", der Katalog zur gleichnamigen Wanderausstellung, mit der Feuerstein im Österreich-Pavillon der Architekturbiennale Venedig vertreten war. 2002 erschien "Biomorphic Architecture - Menschengestalten und Tiergestalten in der Architektur". Im ORF wurde anlässlich seines 75. Geburtstags im Jahr 2000 auch der Film "Expandierte Architektur" von Doris Fercher präsentiert.

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