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Anna Buchegger: „Die Welt von heute tut weh“

Die Musikerin tritt beim Popfest Wien auf. Mit dem KURIER spricht sie über Heimat, Solidarität in der Branche und Mythologie
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Gratis-Konzerte wie das Popfest Wien an so einem zentralen Ort wie dem Karlsplatz, sagt Anna Buchegger, seien eine besonders schöne Möglichkeit, dass Menschen zusammenkommen und gemeinsam eine gute Zeit haben. Die Musikerin, die in ihrem Sound Indie-Pop und traditionelle Volksmusik fusioniert, hat noch einen anderen Grund, heuer bei dem ganz der heimischen Szene gewidmeten Fest dabei zu sein:

„Ich habe das Gefühl, dass es die Solidarität innerhalb der Szene stärkt“, erklärt sie im KURIER-Interview. „Jedes Jahr kuratieren es andere KünstlerInnen, die andere KünstlerInnen einladen. Das ist eine Form von Zusammenarbeit und Wertschätzung, die üblicherweise in den Strukturen einer Festivalorganisation nicht gegeben sind.“

Heimat

Buchegger tritt bei dem heuer von 23. bis 26. Juli stattfindenden Festival am Eröffnungstag um 20 Uhr auf der Seebühne vor der Karlskirche auf. Im Programm hat sie die neuen Songs des ihres zweiten Albums „Soiz“. Damit gelingt es der 26-Jährigen hervorragend, ihr Ziel, die Volksmusik und den damit verbundenen Begriff von Heimat, aus dem herkömmlichen Kontext zu lösen. Die „Heimat“, die sie musikalisch gestalten will, sagt die auf einem Bauernhof in Salzburg aufgewachsene Musikerin, sei von politisch rechter Vereinnahmung losgelöst, solidarisch und demokratisch. Auf diese Position geht Buchegger, die Klavier und Hackbrett spielt, unter anderem in dem Song „Teppich“ ein. Sowohl mit dem Text als auch mit der Musik malt sie das Bild einer Welt, die unaufhaltsam auf den Untergang zurast, weil niemand mehr dem anderen zuhört, und der Dreck ständig unter den Teppich gekehrt anstatt ausgeräumt wird.

„Die Welt von heute tut weh und es sieht gerade nicht danach aus, als würde dieser Schmerz bald vorbeigehen“, erklärt sie. „Mareike Fallwickl beschreibt es gut: ,Unsere Demokratie scheint uns unter unserem Arsch zu zerbröseln. Es ist ein ewiger Kreislauf aus Gewalt, Krieg und Umweltzerstörung.‘ Ich habe keine Ahnung, wie man das ändern kann, beziehungsweise, weiß ich gar nicht, wo man anfangen sollte. Hoffnung gibt mir, dass es in der Musik und in der Kunst im Allgemeinen genug Platz für Weltschmerz gibt. Ich wünsche uns allen, dass wir Hingabe, Wut, Mitgefühl oder Grant fühlen und wahrnehmen.“

Und Nähe

Buchegger hat auch sehr persönliche Song auf „Soiz“. „Wos i nit bin“ hat sie über ihre Schwester geschrieben, die nicht mit ihrer Sehnsucht nach Nähe umgehen konnte. „Maria“ hat sie Maria von Trapp und der Frage gewidmet, wie diese Frau in der heutigen Zeit wahrgenommen werden würde: „Ihre Geschichte fasziniert mich. Denn neben all den typisch weiblichen konnotierten Kennzeichen, wie beispielsweise Fürsorge, das liebevolle Kümmern um die Trapp-Familie, das schöne Singen, eigentlich das Übernehmen aller Care Arbeiten im Hause Trapp, hat sie das weibliche Rollenbild auch gebrochen: Sie galt als politisch interessiert, laut, ungehorsam und unangepasst.“

Eine Erinnerung an Ängste der Kindheit ist „Hex Hex“: „Mit 10 Jahren hab ich den Perchtenumzug bei der Bartholomä-Kirche am Gollinger Wasserfall besucht. Da hab ich zum ersten Mal eine echte Frau Perchta gesehen. Ihr Gesicht war hässlich und finster, aber als sie sich umdrehte, konnte ich erkennen, dass sie auf ihrer Hinterseite ein schönes, aufwendig verziertes Gesicht trug. Die Figur und die Spukgeschichten haben mich damals ganz schön beschäftigt. Aber mein 10-Jähriges Ich hat recherchiert und herausgefunden: Die Sagengestalt der Perchta lässt sich auf die nordische Mythologie zurückführen. Es bestehen viele Parallelen zur Göttin Frigg oder auch Frigga genannt. Sie ist die Schutzgöttin der Ehe, des Lebens, der Mutterschaft und sie ist Himmelskönigin. Aha! Die Perchta ist also auf der Seite der Frauen. Da war sie gleich viel weniger furchteinflößend.“

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