© EPA/MARTA PEREZ

Gespräch
08/30/2020

Angel Olsen wird von Widerständen und Geistern verfolgt

Die amerikanische Indie-Musikerin spricht im KURIER-Interview über ihren „gespenstischen“ Werdegang

Wenn Miley Cyrus, die Schauspielerinnen Brie Larson und Christina Hendricks zu deinen Fans gehören, hast du es geschafft. Zumindest Angel Olsen ging es so. Mit dem 2016 veröffentlichten Album „My Woman“ wurde die Amerikanerin einem größeren Publikum bekannt, und ging mit ihrem leidenschaftlichen Folk-Rock monatelang auf Tournee.

Soeben hat die 33-Jährige ihr neues Album „Whole New Mess“ veröffentlicht. Und das hat einen direkten Bezug zum Vorgänger „All Mirrors“, der vor einem Jahr rauskam. Etwas mehr als die Hälfte der Songs war nämlich schon auf „All Mirrors“ zu hören – dort in orchestrierten, cineastischen Versionen. Bei „Whole New Mess“ dagegen ist nur Olsen zu hören, wie sie singt und sich auf der Gitarre begleitet – roh, ungeschminkt und damit viel eindringlicher als auf „All Mirrors“.

„,Whole New Mess‘ war zuerst fertig!“, erklärt Oslen im KURIER-Interview. „Ich hatte es nach einer schlimmen Trennung in einem Studio namens The Unkown, das in eine Kirche hineingebaut wurde, aufgenommen. Und da hört man deutlich, wie ich mit diesen Emotionen kämpfe. Als ich damit fertig war, habe ich mich sofort umgeschaut, ob ich Arrangeure finden kann, die Orchestrierungen machen. Im Nachhinein denke ich, das war ein Selbstschutz, weil die Songs dadurch zwar dramatischer, aber auch distanzierter geworden sind. Damals hätte ich sie aber nicht in den Versionen von ,Whole New Mess‘ veröffentlichen können, weil die mir damals noch viel zu nahe gegangen sind und die Verletzungen der Trennung noch nicht verheilt waren.“

Das Studio in Anacort an der nördlichen Pazifikküste Amerikas heißt mit gutem Grund The Unknown. In dem Gebäude spukt es nämlich. „Wir haben dort auch einmal ein paar unerklärliche Geräusche gehört“, gibt Olsen zu. „Aber viel gespenstischer als das empfinde ich mein eigenes Leben. Denn ich bin nicht gebildet und habe immer so viele Steine in meinem Weg, dass ich nie gedacht hatte, dass ich je vom Musikmachen leben und auf Tour gehen könnte.“

Olsen war ein adoptiertes Kind. Ihre Eltern hatten schon sieben Kinder, als sie in die Familie kam. Geld war deshalb knapp. Für Klavierstunden für Angel reichte es aber. Bei der Nachbarin Mrs. Morrison kosteten die nur fünf Dollar.

„Anfangs war es eine Quälerei, weil ich nicht vom Blatt spielen konnte. Irgendwann hörte ich mir dann die Sachen auf YouTube an, und kam drauf, dass ich sie so – einfach nur vom Anhören, ohne viel zu üben – nachspielen und mir auch merken konnte. Das hat mich total gefreut. Und als ich Mrs. Morrison fragte, ist das nicht toll, sagte sie: ,Wie wär’s, wenn du deine Überheblichkeit ablegst!‘ Das war wie ein Schlag ins Gesicht.“

Mit 16 verließ Olsen die Schule. Ihre Mutter hatte ein vierfache Bypass-Operation, wäre beinahe gestorben. „Ich wollte Zeit haben, ihr zu helfen, als sie wieder daheim war. Gleichzeitig bekam ein enger Freund von mir psychische Probleme und wurde schizophren. Ich wolle Psychologie studieren, um ihm zu helfen, konnte aber nur eine Massage-Ausbildung machen. Mit solchen und ähnlichen Widerständen kämpfe ich mein ganzes Leben. Ein Weile habe ich mich deshalb verfolgt gefühlt. Aber jetzt kann ich dankbar dafür sein. Denn das gibt mir Stoff für Songs, die die Leute offenbar mögen.“

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