© EPA/Zoltan Mathe

Kunst
01/16/2019

Angeblich Klimt-Werk in Budapest entdeckt

Das mit Goldfarbe gemalte Gipsrelief könnte in den Jahren zwischen 1890 und 1892 entstanden sein - Experte ist skeptisch

von Michael Huber

Ein vermeintliches, bis dato unbekanntes Werk von Gustav Klimt (1862-1918) soll in Budapest entdeckt worden sein, berichten Medien am heutigen Mittwoch. Bei dem Relief soll es sich um eine Schmucktafel der Budapester Vertretung des österreichischen Pianobauers Friedrich Ehrbar handeln. Das Werk wurde am Dienstag durch die Vereinigung Ungarischer Innenarchitekten vorgestellt.

Die sich in Privatbesitz befindende Arbeit war durch den Architekten György Selmeczi in einer Budapester Wohnung am Großen Ring entdeckt worden, die früher als Klaviersalon diente. Laut Selmeczi soll die Tafel ein Jahrhundert an der gleichen Wand gehangen haben. Die Erforschung des Werkes sei anhand seiner Aufschrift erfolgt. Das mit Goldfarbe gemalte Gipsrelief könnte in den Jahren zwischen 1890 und 1892 entstanden sein, möglicherweise unter Mitarbeit der Klimt-Brüder Georg und Ernst, betonte Selmeczi.

"Das passt nicht"

Tobias Natter, Experte für die Kunst Wiens um 1900 und Herausgeber eines Werkverzeichnisses zu Klimts Gemälden, ist gegenüber dieser Zuschreibung skeptisch. "Das passt nicht in die Landschaft", erklärt er, vom KURIER am Telefon um eine Einschätzung gebeten. Klimts jüngerer und wenig bekannter Bruder Georg war zwar tatsächlich für Reliefarbeiten bekannt und führte des öfteren auch Entwürfe seines berühmten Bruders aus - die Tür des Wiener Secessionsgebäudes sei ein Beispiel. Anfang der 1890er Jahre war er aber noch ein Schüler an der Wiener Kunstgewerbeschule, die er erst 1896 abschloss. Gustav Klimts sei seinerseits zu jener Zeit mit der Relief-Ausstattung des Kunsthistorischen Museums befasst gewesen - gemeinsam mit Franz Matsch und seinem anderen Bruder Ernst Klimt, mit denen er gemeinsam die "Künstler-Compagnie" bildete.

Das Relief aus Budapest trägt lediglich die Signatur eines "Atelier Künstlerbund, Stubenring 18, Wien". Mit dem erst 1906 gegründeten Künstlerbund, dessen Präsident Gustav Klimt ab 1912 wurde, kann dieser nicht ident sein.

Natter, der sich mangels direkter Besichtigung des Werks nur eine "Ferndiagnose" zutraut, befindet, dass in Budapest wohl "die Fantasie mit jemandem durchgegangen" sei. Am Kunstmarkt allenfalls interessant seien von Gustav Klimt entworfene und von Georg Klimt ausgeführte Ausstattungsstücke, die aber erst in der Zeit um 1900 entstanden.

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