Ana Mendieta im Werk "Tree of Life" (Lebensbaum, 197)

© MdM Salzburg (tbc)

Museum der Moderne
03/30/2014

Eingebrannt in Erde und Gehirn

Direktorin Breitwieser startet ihre Ära mit einer Ana Mendieta-Schau und Aktionismus.

von Michael Huber

Sie grub die Umrisse ihres Körpers in den Wüstensand und ritzte sie in Felsen, sie brannte sie mit angezündeten Tüchern in die Erde ein, formte sie aus Sand und wartete, bis das Wasser sie wieder wegspülte: Die fotografischen und filmischen Dokumentationen der Arrangements, die die Künstlerin Ana Mendieta "Siluetas" nannte, sind die zentralen Werke, die von der 1985 mit nur 36 Jahren verstorbenen Künstlerin erhalten sind.

Die Vergänglichkeit der "Skulpturen" steht in krassem Widerspruch zu ihrer Wirkung, die sich bis 6. Juli im Salzburger Museum der Moderne am Mönchsberg (MdM) direkt erfahren lässt: Die Fotos und Filme, selbst "Nachbilder" eines menschlichen Körpers, brennen sich auch ins visuelle Gedächtnis nachhaltig ein – wer ein Werk von Ana Mendieta einmal gesehen hat, trägt es lange mit sich herum.
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Bilder aus der Mendieta-Schau

Ana Mendieta "Traces", MdM Salzburg…

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Guter Einstand

Für Sabine Breitwieser, seit Herbst 2013 Direktorin des Salzburger Museums, war es eigenen Worten zufolge ein "Glücksfall", die von der Londoner Hayward Gallery zusammengestellte Retrospektive für die erste unter ihrer Führung ausgerichtete Ausstellung ans MdM holen zu können.

Tatsächlich vereint die Schau Breitwiesers Faible für feministische, politische und performative Kunst seit 1970 mit einer höchst poetischen, naturnahen Sensibilität. Anders als ihre männlichen Kollegen aus der "Land Art" wie Michael Heizer oder Robert Smithson, die für ihre Kunst buchstäblich Berge zersägten und versetzten, begnügte sich Mendieta mit äußerst sanften Eingriffen in die Natur: Die Idee der Verbindung zu einer nährenden "Mutter Erde" hatte die mit 12 Jahren in die USA übersiedelte Künstlerin aus diversen Kulten ihrer kubanischen Heimat übernommen; während ihres Kunststudiums im Bundesstaat Iowa begann Mendieta, Versatzstücke daraus Stück für Stück in ihre Werke einzubauen.

"Imágen de Yágul" heißt ein – in Anlehnung an eine Gottheit benanntes – Schlüsselwerk von 1973, in dem die nackte Mendieta sich, ganz mit Blumen bedeckt, zwischen Steinen liegend ablichten ließ.

Mit Huhn

Im Film "Chicken Piece" (1972) ließ die Künstlerin wiederum ein Huhn bis zur Erschöpfung flattern, als wolle sie es als Opfer darbringen. Im Film "Ocean Bird Washup" (1974) scheint sie sich selbst in das Totemtier verwandelt zu haben, lässt sich in einem Federkostüm am Strand treiben, bis die Federn abgewaschen sind und Mendieta wie eine schaumgeborene Venus den Fluten entsteigt.

Mendieta schloss an basale Triebkräfte des Kunstmachens an – der Drang, zu formen und Spuren zu hinterlassen, ist jedem Kind vertraut und findet sich auch im Ausstellungstitel "Traces", Spuren, wieder. Zugleich hatte die Künstlerin profunde Kenntnisse des Kunstgeschehens ihrer Zeit und beschäftigte sich nachweislich mit dem Wiener Aktionismus: Wer ihre Arbeiten mit Blut im MdM sieht, wundert sich, warum Ana Mendieta hierzulande nie stärker in diesem Kontext rezipiert wurde.

Das MdM füllt diese Lücke und zeigt seine überraschend umfangreiche Aktionismus-Sammlung in einer dichten Schau parallel zu Mendieta: Ein ästhetisches Gemisch, das lange, starke Nachbilder im Kopf garantiert.

INFOS: www.museumdermoderne.at

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