Die „Danae“ von Orazio Gentileschi erzielte im Jänner 30,5 Millionen US-Dollar

© /The J. Paul Getty Trust

Kunst
03/02/2016

Alte Meister suchen neuen Markt

Einst stand die alte Kunst für Prestige und Kennerschaft, heute wollen viele Käufer anderes.

von Michael Huber

Es geht noch immer um Geld, sehr viel Geld. Doch die Ware, die Händler heuer von 11. bis zum 20. März im niederländischen Maastricht auf der Messe "TEFAF" feilbieten, folgt anderen Gesetzen: Alte Kunst, insbesondere die Malerei sogenannter "Alter Meister", steht heute im Schatten der großformatigen Bilder eines Francis Bacon oder der glänzenden Skulpturen eines Jeff Koons, die regelmäßig für neue Rekordmeldungen am Auktionsmarkt sorgen. Der Altmeister-Sektor, eine der traditionsreichsten Sparten, muss sich heute zwischen hochpreisigen Nischen und einem immer weniger lukrativen "breiten" Markt neu erfinden.

Vorbei

Die Zeiten, in denen ein Rembrandt im Wohnzimmer das ultimative Zeichen von Status und Kennerschaft war, sind lang vorbei: Laut den Analysen der US-Expertin Clare McAndrew, deren neueste Auflage alljährlich zum Start der TEFAF präsentiert wird, machten "Alte Meister" zuletzt rund zehn Prozent des globalen Marktvolumens aus. 2014 wurde rund eine Milliarde Euro in dem Sektor umgesetzt.

Dabei entfällt immer mehr Geld auf immer weniger, höherpreisige Werke: Erst Ende Jänner wechselte bei Sotheby’s New York ein Gemälde der "Danae" von Orazio Gentileschi um 30,5 Millionen US-Dollar (31,2 Millionen €) den Besitzer; der Käufer war das J. Paul Getty Museum in Los Angeles.

"In diesem Sektor können nur noch die Big Player mittun, und das sind immer noch die amerikanischen Museen – und auch viele Chinesen", sagt Johann Kräftner, Leiter der Fürstlichen Sammlungen des Hauses Liechtenstein mit Sitz in Wien. Kräftner trat selbst schon oft als potenter Käufer von Kunstwerken in Erscheinung, musste aber immer wieder bei Auktionen passen.

Versiegendes Angebot

Anders bei den Trophäen der Gegenwartskunst versiegt das Angebot Alter Meister langsam, aber sicher. "Wenn ein gewisser Prozentsatz der Spitzenbilder in Museen landet, die nie wieder etwas verkaufen, dann wird dieser Markt irgendwann eng", erklärt Kräftner. "Die Frage ist, ob der Markt dann nicht mehr existiert – oder ob die Bilder so rar sind, dass sie erst recht hohe Preise erzielen." Die Gier nach Dingen, die es eigentlich nicht mehr zu kaufen gibt, befeuert eine ganze Branche, die hofft, in der enormen Menge alter Bilder doch noch einen echten Leonardo oder einen echten Rembrandt zu entdecken.

Doch die Trefferquote ist gering, und oft tritt der umgekehrte Fall ein: Ein angeblich eigenhändiges Werk eines bekannten Meisters stellt sich nach eingehender Prüfung als Arbeit eines Schülers oder im schlimmsten Fall als plumpe Fälschung heraus.

Dass viele der potenten Käufer heute zwischen Hedgefonds-Management und globalen Kunstmessen wenig Zeit finden, sich Kennerschaft anzueignen, ist gewiss ein Faktor, der zum Auftrieb globaler Markennamen der Gegenwartskunst beiträgt. Dennoch bilden sich neue Sammler und Kenner für "Alte Meister" heran, beteuert Kräftner, der die neue Klientel allerdings eher in den USA, Asien und Russland als in Mitteleuropa sieht. Für sie gebe es zahlreiche verhältnismäßig unbekannte Maler, von denen man noch hochwertige Bilder jenseits astronomischer Preise bekäme.

Und vielleicht ist gerade das die Stärke der alten Kunst: Sie belohnt Ruhe und Beharrlichkeit, während nebenan Trends und Blasen steigen und platzen.

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