Kultur
17.03.2018

Als Delfine bei Grado "eine Plage" waren

Briefe aus Grado 1900 – 1912. Der Maler Auchentaller und seine Frau – zwei Pioniere des Fremdenverkehrs auf der damals österreichischen Sonneninsel.

Aus Grado kam ein Brief, in dem stand: "Wir sparen viel, weil wir Fisch essen."

Der Brief kann unmöglich von heute sein.

Er stammt aus einer Zeit, als Grado zu Österreich gehörte und in einer einzigen Nacht 750 Kilo Fisch aus der Lagune geholt wurden. Er stammt aus einer Zeit, als trotzdem in der Zeitung stand: Es wimmelt in der Oberen Adria vor Schädlingen – vor Delphinen (damals mit "ph"). Eine Plage, weil sie Konkurrenz der Fischer sind.

Der Wiener Maler Josef Maria Auchentaller, ein Kollege Klimts, und seine Frau Emma reisten im Sommer 1900 erstmals mit Kutsche und Fähre nach Grado; und verfielen dem Fischerdorf augenblicklich.

Hotel Fortino

Am Aufschwung zum Lieblingsplatzerl der Hautevolee waren die Auchentaller beteiligt: Emma wollte ihren Eltern, den Schmuckfabrikanten Scheid (Vorläufer der Ögussa) zeigen, dass auch sie kaufmännisches G’spür hatte. Ihr direkt am Meer gelegenes Hotel "Fortino" (heute Eigentumswohnungen) war die beste Adresse.

Weil Emma aus unbekannten Gründen die Italienerinnen für schlechte Wäscherinnen hielt, ließ sie eine Dampfwäscherei bauen, vor allem für Bettzeug, Hand- und Tischtücher der Hotels. Und die Insel Morgo wurde gekauft, um dort Gemüse für die 215 Gäste im vollen Hotel anzubauen.

Das Buchtitel sagt fast alles, es sind Emmas Briefe an die Eltern. Anfangs erzählen sie vom Blau, später kommt Ärger, weil der Strand eingezäunt und Eintritt verlangt wird– jaja, der Tourismus.

Immer ist viel vom Geld die Rede. 100 Quadratmeter Sandstrand kosteten ums Jahr 1900 nach heutiger Kaufkraft 1000 Euro, 1905 bereits 25.000 Euro...,

Aber das Interesse an der Geschichte der Auchentaller ist groß. Und, auch dank beigelegtem Plan vom alten Grado –, wird die Sehnsucht nach diesem Ort groß und größer.

(... und da war eine Sardinenfabrik, wo heute das Restaurant Zero Miglia ist und rohen Fisch mit Orangensauce anbietet, aber wehe, es kommen noch mehr Gäste! Es reicht!)


Emma
Auchentaller:

„Briefe aus
Grado 1900 – 1912“ Herausgegeben von Christine Casapicola.
Braitan Verlag.
368 Seiten.
26 Euro.

KURIER-Wertung: ****