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Kultur
09/29/2020

Alicia Keys: Sinnlich, wütend und ohne Angst davor

Die amerikanische Musikerin ist mit dem neuen Album „ALICIA“ mehr „ich selbst“ als je zuvor

von Brigitte Schokarth

Sieben Jahre war Alicia Keys alt, als sie „einen stillen Pakt“ mit sich selbst einging, niemals in eine Situation zu kommen, in der sie fremdbestimmt, ausgeliefert und machtlos sein würde. Damals fuhr sie im Auto mit ihrer alleinerziehenden Mutter durch ihre Heimatstadt New York – vorbei an Prostituierten, die im Winter halb nackt und frierend am Straßenrand standen.

Nicht immer konnte die heute 39-jährige Musikerin diesen Pakt komplett einhalten. Zu fremd war das Pop-Business, als sie nach Jahren des Klavierübens auf dem Piano der Nachbarin mit 15 ihren ersten Plattenvertrag unterschrieb und mit 20 mit dem Hit „Fallin’“, und einer einzigartigen Mischung aus Soul, Hip-Hop und Jazz, zum Weltstar wurde.

Erst in den vergangenen Jahren, sagt sie, habe sie gelernt, sich absolut frei und ungehemmt auszudrücken. Deshalb hat Keys, die als Alicia Augello-Cook geboren worden war, ihr eben erschienenes Album „ALICIA“ genannt.

„Ich bin damit mehr ich selbst, als ich es je war. Das gilt für die Musik genauso wie für die Gefühle und Themen, die es transportiert. Denn ich fühle mich jetzt viel wohler dabei, auch die sinnliche Seite meiner Persönlichkeit einerseits und die wütende andererseits auszudrücken. Das habe ich früher unterdrückt, weil ich mir Sorgen gemacht habe, wie das ankommt.“

Jetzt pfeift die zweifache Mutter und 15-fache Grammy-Gewinnerin auf etwaige Beurteilungen der Außenwelt, weigert sich zwischendurch auch mal, auf roten Teppichen mit Make-up aufzukreuzen, und schreibt Songs, die speziell (aber nicht nur) Frauen animieren sollen, eine ähnliche Haltung einzunehmen.

Dass sie es erst vor Kurzem geschafft hat, sich so zu befreien und damit den Kindespakt mit sich selbst zu perfektionieren, schreibt sie in ihrer Autobiografie „More Myself“ der Musikindustrie, und ihrer Jugend in dem damals heruntergekommenen, gefährlichen New Yorker Stadtteil „Hell’s Kitchen“ zu.

„Da lernst du sehr früh, Wände um dich herum aufzubauen und mit allem aufzupassen, was du sagst, um dich selbst zu schützen“, erzählte Keys in einem Interview mit Billboard. „Und als ich dann so jung in das Musikbusiness kam, war ich immer die Unerfahrenste, die Neue in einer fremden Welt. Ich war zwar nie unehrlich, aber sagen wir zurückhaltend. Ich war politisch korrekt, aber nicht authentisch in meiner Energie und mit meinen Gefühlen.“

Darüber singt Keys in Songs wie „Underdog“, „So Done“ und „Time Machine“.

Es gibt auf „ALICIA“ aber auch andere Themen: „Perfect Way To Die“ handelt von der Black-Lives-Matter-Bewegung. Und in „Gramercy Park“ geht Keys darauf ein, wie man sich aus Liebe für den Partner verbiegt, bis man sich selbst nicht mehr erkennt.

Mit ihrem Mann Swizz Beatz, mit dem sie kürzlich zehnjähriges Jubiläum feierte, ist das nicht der Fall. Aber: „So eine Liebe ist eine völlig neue Erfahrung für mich!“

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