Das „USS Arizona Memorial“ von Alfred Preis vor der Insel Oahu ist eine der größten Touristenattraktionen Hawaiis

© Preis Family Archive

Architektur
01/31/2021

Alfred Preis, von Wien nach Hawaii

Der aus Österreich vertriebene Architekt baute das Mahnmal für den Angriff auf Pearl Harbour – und schuf mit seinen Wohnbauten auf der Tropeninsel ein wichtiges Kulturerbe der Moderne

Klickt man sich durch die derzeit leider nur online zu sehende Ausstellung über Alfred Preis, die auf Initiative des Österreichischen Generalkonsulats Los Angeles zusammengestellt wurde, kommt einem vor allem ein Gedanke: was für eine unglaubliche Lebensgeschichte.

Alfred Preis wurde am 2. Februar 1911 als Sohn einer jüdischen Arbeiterfamilie in Wien geboren, übermorgen wäre sein 110. Geburtstag. Obwohl er in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, bot ihm die Wohnung auf der Wiedner Hauptstraße bald die Möglichkeit, eine andere Seite von Wien kennenzulernen: die Wiener Ringstraße.

Die kosmopolitische Atmosphäre dieser Prachtstraße mit all ihren repräsentativen Gebäuden und Theatern, zog den kleinen Buben bald in seinen Bann. Diese Exkursionen in ein anderes Wien sollten für seine persönliche Entwicklung sehr bedeutend sein. Aber es war auch die Zeit des Roten Wiens und des sozialen Wohnbaus, und Alfred Preis konnte erleben, wie die wichtigsten Architekten Pläne für verbesserte Lebensbedingungen der Ärmsten entwarfen. Die Tatsache, dass sich die größten Modernisten für leistbare Wohnungen engagierten, sollte sein Denken wesentlich prägen.

Flucht nach Honolulu

Nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland gelang ihm mit seiner jungen Ehefrau 1939 die Flucht in die USA. Nach einer äußerst beschwerlichen Reise, die mehrere Monate dauerte, kamen sie beide in Honolulu an. Nein, es war nicht der Traum vom tropischen Paradies, sondern pure Verzweiflung. Nach den Ausschreitungen gegen Juden wusste Alfred Preis sich keinen anderen Rat, als ein Verzeichnis amerikanischer Architekturbüros aus der Bibliothek der Technischen Hochschule zu entleihen und Bettelbriefe an etwa 50 Büros zu schicken. Denn ohne Job hätte ihm die USA die Einreise nicht gestattet. Nur einer davon wurde beantwortet: Es war ein südkalifornisches Architekturbüro, dessen ehemaliger Mitarbeiter für sein neu gegründetes Büro in Honolulu auf der Suche nach einem Designer war.

Die erste Zeit in der neuen Heimat verlief dann auch wie erhofft. Doch der Angriff auf Pearl Harbour im Jahr 1941 setzt dem Leben im „Paradies“ ein Ende. Ausgerechnet er, dessen Familie zur gleichen Zeit in der alten Heimat von den Nazis verfolgt und ermordet wurde, wurde als potenzieller Staatsfeind mit seiner Frau im „Sand Island Detention Camp“ interniert. Mit anderen Einwanderern aus Europa und Japan wurden sie wie Verbrecher festgehalten. Dass nach dem Krieg ausgerechnet Alfred Preis’ Entwurf für das Kriegsmahnmal in Pearl Harbour ausgewählt wurde, ist überraschend und vielleicht eine Art Wiedergutmachung.

Bis heute zählt das „USS Arizona Memorial“ zu den größten Touristenattraktionen auf Oahu, aber den wenigsten ist bekannt, dass es von einem Architekten mit österreichischen Wurzeln geplant wurde.

Insgesamt hat Alfred Preis mehr als 150 Gebäude auf Hawaii geplant und gebaut. In erster Linie waren es Privathäuser, aber er war auch Mitglied der Arbeitsgruppe „Future Honolulu“, die ein ganz neues stadtplanerisches Konzept für die Hauptstadt schaffen wollte.

Er war eine Schlüsselfigur in der Entwicklung eines ganz spezifischen hawaiianischen Modernismus, ihm sei es gelungen seine Ideen, die er aus seiner alten Heimat Österreich mitbrachte, in den Kontext von Hawaii zu bringen.

Er war „nicht nur ein Vorläufer in Sachen sozialer Gleichberechtigung, sondern auch einer der Ersten, der auf naturnahes Bauen wert legte“, erklärt der in L.A. lebende österreichische Architekturprofessor Axel Schmitzberger.

Wenig bekannt

Dennoch ist Preis’ Name in Österreich wenig bekannt. Ein Grund dafür ist sicher, dass nur wenigen bewusst ist, dass das Touristenparadies inmitten des Pazifik in Wirklichkeit auch ein wichtiges Kulturerbe der Moderne birgt.

Ein weiterer Grund mag an Alfred Preis selbst liegen. Im Laufe seiner Karriere hat er sich „scheinbar weniger für wohlhabende, einflussreiche Klienten interessiert und sich mehr um eine Architektur für alle Einkommensbereiche bemüht. Das brachte ihm wenig internationalen Ruhm“, meint Schmitzberger.

Und dann hat Alfred Preis ausgerechnet am Höhepunkt seiner Karriere beschlossen, sich einer kulturpolitischen Karriere zuzuwenden, um seinem Ideal von Kunst für alle näher zu kommen.

Wer mehr über diese faszinierende Persönlichkeit erfahren möchte, muss derzeit auf online-exhibitions.at nachlesen (kuratiert von Axel Schmitzberger und Laura McGuire). Es ist aber geplant, die Ausstellung nach der Pandemie auch in Wien und Los Angeles zu zeigen.

Von Eva Schwarzmann aus Los Angeles.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.