Hubert Scheibl, "....und dahinter die Unendlichkeit", 2003-2005

© Albertina, Wien/Dauerleihgabe der Sammlung Batliner

Kunst
06/10/2015

Albertina: Farbe, für immer lebendig

Dank einer Schenkung feiern drei Museen Österreichs abstrakte Malerei. Die Albertina macht den Anfang

von Michael Huber

Es gab ein paar Momente, in denen das Loslassen ein bisschen schwer war“, sagte Regina Ploner, als sie am Dienstag die Schau „Abstraktion in Österreich“ in der Albertina vor Journalisten präsentierte.

Mit „Loslassen“ meinte sie nicht die Trauer um ihren Mann Heinz Ploner, der 2011 mit nicht einmal 60 Jahren verstorben war. 2014 schenkte Regina Ploner den Großteil der Kunstsammlung, die ihr Mann seit 1997 zusammengetragen hatte, an drei Museen. Weil es im Sinne des Verstorbenen und „die einzig sinnvolle Lösung“ gewesen sei.

Die Schau der Albertina, die erste von drei musealen Präsentationen der Ploner-Sammlung, hat daher kulturpolitischen Symbolwert: Der Sammler, der nur kurzfristig für sich selbst, langfristig aber für die Öffentlichkeit Kunst kauft, ist in Österreich noch immer ein Exotikum.

Die Museen sähen gern mehr Menschen von dieser Sorte, und jede der von Ploner beschenkten Institutionen – die Albertina, das Belvedere und das Joanneum in Graz – nennt gute Gründe, die Werke in seine Sammlungen zu integrieren.

Emotionale Bindung

Doch letztlich ist die Kunst eine sehr unmittelbare, emotionale Angelegenheit – das zeigt sich in Regina Ploners Schwierigkeit „loszulassen“ ebenso wie in den Bildern selbst.

Die Albertina, die rund 70 Werke von Ploner erhielt, mischt die Schenkungen mit anderen Sammlungs-Beständen (die ihrerseits auch meist Schenkungen und Dauerleihgaben sind): So entsteht eine Abfolge von Künstler-Räumen, die vor allem atmosphärisch wirken. Josef Mikl und Wolfgang Hollegha machen mit teils sehr früh entstandenen Werken den Anfang, es folgen Abschnitte zu Markus Prachensky und Franz Grabmayr, später die „Jungen Wilden“ der 1980er-Jahre wie Gunter Damisch oder Herbert Brandl.

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Der freie Umgang mit Farbe und Pinsel, der all diesen Künstlern eigen ist, war seit den 1950er-Jahren mal mehr, mal weniger angesagt – doch das Gefühl, derlei Malerei habe ihr Ablaufdatum überschritten, stellt sich beim Gang durch den Parcours nie ein. Die Spuren am Material – die verschwommenen Aquarellfarben auf einem welligen Papier von Herbert Brandl, die großzügigen Mal- und Wischgesten von Hubert Scheibl, das feine Gekritzel in den Bildern Hans Staudachers – erhalten unmittelbare menschliche Regungen über die Zeit hinaus.

Auch für Nicht-Sammler lässt sich in der Ausstellung daher nachvollziehen, dass das Besitzen und wiederholte Betrachten solcher Bilder auch ein Festhalten menschlicher Nähe bedeuten kann.

Tatsächlich suchte Heinz Ploner selbst oft den persönlichen Kontakt zu „seinen“ Künstlern – Maler wie Gunter Damisch beschreiben ihn als kundigen Freund, dessen Urteil viel galt.

Die Albertina suchte sich primär „intime“, eher kleinformatige Arbeiten aus Ploners Sammlung aus – mit dem Nachteil, dass der spezifische Geschmack des Kunstfreunds im Mix der Ausstellung nun ein wenig verloren geht. Die Kunst, die Ploner so viel bedeutete, kann aber in dieser Schau mit ihrer ganzen Kraft strahlen.

Eine Schenkung, drei Museen

„Abstraktion in Österreich“ ist bis 6. 9. in der Albertina zu sehen. Von 3. 7. bis 26. 9. zeigt das Belvedere „Selbstverständlich Malerei“. Die Neue Galerie Graz zeigt ihre Schau "Die Malerei im Wandel - die Sammlung Ploner" ab 3. 3. 2016. Der Katalog „Sammlung Ploner“, herausgegeben von Agnes Husslein-Arco, Peter Pakesch und Klaus Albrecht Schröder, zeigt und erläutert die gesamten Bestände und kostet 32 €.

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