Kultur
01.12.2017

Agentenparodie in Nordkorea

"Unsere Frau in Pjöngjang" von Jean Echenoz

Wenn sogar der Kies unter den Füßen "vergnügt knirscht", sollte man sich wahrscheinlich anstecken lassen.

Obwohl das nicht so einfach ist. Denn wer will jetzt die Parodie auf einen Agentenroman lesen?

Der Franzose Jean Echenoz – "Ich gehe jetzt" (Prix Goncourt), "Die Caprice der Königin" – hatte ganz offensichtlich Spaß. Man merkt es bei jeder Zeile: Echenoz ist wie der Kies.

In Paris wird eine Frau unter freundlicher Androhung einer Zahnkorrektur mittels Schlagbohrer entführt. Constance heißt sie, ihr war ohnehin fad. Sie wird vorerst in einen Sarg gesteckt und aufs Land gebracht, und kaum sieht Constance wieder die Sonne, wird sie von den Kidnappern um fünf Euro gebeten, denn sie möchten drei Baguettes einkaufen.

In der Folge kümmert sie sich um den Bauernhof, um Zinnien und Anemonen. Die jungen Entführer braten bei ihr, wie man so sagt, und sie bereitet Enten-Confit mit Linsen zu, während ihr Ehemann in Paris auch nichts anbrennen lässt, wie man ebenfalls so sagt.

Emmentaler

Und wann beginnt "Unsere Frau in Pjöngjang" eigentlich? Spät. Constance muss nach Nordkorea, um das Land zu destabilisieren. Sie wird "den Höchsten", also Kim Jong-un, dabei beobachten, wie er dauernd Emmentaler in sich hineinschiebt. Sowie seine Ehefrau, die ein Popstar war, weil sie das Lied "Wir sind die Truppe der Partei" gesungen hat.

Das war jetzt kein Scherz.

Es geht drunter und drüber in dem Roman. Logisch ist wenig, aber das macht überhaupt nichts. An Echenoz’ Stil muss man sich allerdings gewöhnen. Er hat zwar eine lässige Melodie. Aber der Autor sagt uns ständig, wir sollen uns dieses und jenes vorstellen bzw. jetzt beugen wir uns mal über den Ehemann von Constance.

WARUM? Lieber wäre mir, Echenoz pfeift auf Unmittelbarkeit und erzählt einfach, was los ist.

Vom deutschen Feuilleton wurde "Unsere Frau in Pjöngjang" einhellig bejubelt. Hier herrscht etwas Zurückhaltung.

Jean Echenoz:
„Unsere Frau in Pjöngjang
Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel.
Hanser Berlin.
288 Seiten.
22,70 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern