Adele Neuhauser: Es ging „ans Eingemachte“ mit Ricardo
„Eine kurze Welle des Glücks“, die Constanze (Neuhauser) mit einem Experten des Escort-Geschäfts (Rubey) erlebt.
In „Faltenfrei“ spielte sie eine alternde Diva, in „Ungeschminkt“ eine Transfrau. Nun ist Adele Neuhauser zum dritten Mal in einer ORF/BR-Zusammenarbeit von Regisseur Dirk Kummer und Autor Uli Brée zu sehen. In „Makellos – Eine kurze Welle des Glücks“ geht sie fremd – mit einem deutlich jüngeren Callboy, gespielt von Manuel Rubey. Die intimen Szenen waren für die Schauspielerin eine Premiere, wie sie im Interview erzählt.
KURIER: Constanze lebt ein bürgerliches Leben mitten in München. Was ist ihre Motivation, sich auf einen Callboy einzulassen?
Adele Neuhauser: Sie ist festgefahren in ihrer langjährigen Beziehung, die fad und leer geworden ist. Sie will so nicht weitermachen. Die Idee, sich einen Callboy zu nehmen, hätte sie von selbst nicht gehabt, weil es ihr nicht vordergründig um Sexualität geht, sondern darum, wahrgenommen zu werden. Sie will sich spüren. Ich glaube, dass sich viele Paare in so einer Situation wiederfinden.
ORF/BR. Adele Neuhauser sieht „Makellos – Eine kurze Welle des Glücks“ als romantische Tragikomödie. Der Publikumsliebling spielt Constanze, die gemeinsam mit Ehemann Anton (Ulrich Noethen) in München das alteingesessene Trachtengeschäft Laux führt. Sie fühlt sich jedoch vernachlässigt und wagt auf Anraten der Mitarbeiterin Karin (Caroline Frank) ein Abenteuer – was sie in ein schickes Hotel und zu dem von Manuel Rubey gespielten Callboy Ricardo führt, der ihr Leben auf den Kopf stellt. Die Story entwickelt sich auch zu einem Krimirätsel, weil plötzlich Kameraaufnahmen von den Tête-à-Têtes auftauchen, mit denen Constanze erpresst wird.
Zu sehen ist das am 11. März auf ORF 2 und in der ARD (20.15 Uhr) und 24 Stunden im Voraus auf ORF On. Neuhauser geht davon aus, dass die Reihe damit abgeschlossen ist, „aber schauen wir mal, Uli Brée ist ein unerschöpfliches Pool an Möglichkeiten. Er hört nicht auf zu schreiben und hört auch nicht auf, auch an mich zu denken“.
Ist diese Liaison für Ricardo von Anfang an mehr als Business?
Manuel Rubey: Es fängt als Business an, aber dann merkt er, dass einiges verrutscht, weil Constanze Fragen stellt und etwas in ihm auslöst, mit dem er nicht gerechnet hat. Und dann wird aus dem Business mehr, weil er merkt: Seine ganze Coolness ist nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Neuhauser: Man könnte auch sagen: Es ist dorthin gerückt, wo es hingehört. Der Film soll mit Sehgewohnheiten aufräumen, indem man einmal eine ältere Frau mit einem jüngeren Mann sieht. Daher sind diese intimen Szenen wirklich notwendig. Man muss schon ein bisschen was sehen, um Frauen Mut zu machen. Ich finde es wichtig, dass wir uns so annehmen, wie wir sind und nicht in permanenter Sehnsucht nach scheinbarer Makellosigkeit zu leben. Frauen neigen dazu, an sich zu zweifeln, an sich herumzudoktern, sich schuldig zu fühlen. Es ist nicht leicht, das vor der Kamera darzustellen, aber wichtig.
Sexszenen sieht man in Fernsehfilmen mittlerweile seltener. Welche Erfahrungen haben Sie damit?
Neuhauser: Es war meine Erste! (lacht) Ich hatte schon kleinere Annäherungen, aber so explizit hatte ich es vor der Kamera noch nicht. Ich finde es schön, dass es mich noch ereilt hat. Dass solche Szenen weniger gezeigt werden, finde ich nicht schade, weil es sonst inflationär würde.
Leeres Eheleben mit Anton (Ulrich Noethen).
Heute geht man anders an diese Szenen heran. Wie ist das hier am Set gelöst worden?
Rubey: Ich hatte gefühlt in jedem zweiten Film so eine Szene und finde, dass es sich zum Positiven gewandelt hat. Es ist viel achtsamer geworden seit der #MeToo-Geschichte, es gibt mittlerweile Intimacy-Coaches, im Vorfeld wird besprochen, wie weit es gehen soll. Das war früher ganz anders. Man hat gehört: „Sei nicht prüde“ und musste alles mitmachen.
Hatte man da vor so einem Drehtag ein ungutes Gefühl?
Rubey: Ich habe es am Theater öfter bei Proben erlebt, dass so etwas gar nicht im Text gestanden ist, sondern einfach eine Regieidee war. Nach dem Motto „Mir fällt nichts ein, zieht’s euch mal aus.“ Das war bis vor zehn Jahren gang und gäbe. Wenn sich alle wohlfühlen, ist das ja auch in Ordnung. Aber ich finde es gut, dass es nicht mehr diese großen Mysterien um Sexszenen gibt.
Neuhauser: Bei diesem Film haben wir uns lange darüber unterhalten, wofür diese Sequenz steht. Man muss nicht alles ganz genau sehen, aber man spürt die Nacktheit, man spürt die Hingabe beider und das ist einfach großartig. Gott sei Dank gibt es Intimacy-Coaches. Die stellen Fragen, die man für sich noch gar nicht so klar im Kopf hat und schauen auf dem Monitor mit, achten darauf, ob einen etwas stört. Bei aller Theorie geht es dann aber einfach mal ums lustvolle Machen. Und das war mit Manuel einfach schön. Ich habe mit Bammel die Nacht davor verbracht, aber in der Früh bin ich aufgewacht mit dem Gefühl: Jetzt endlich geht es ans Eingemachte! (lacht) Und dann haben wir diesen Drehtag mit großer Freude bewältigt.
Mit dem „Tatort“ geht heuer eine Ära zu Ende. Haben Sie schon Ideen, wie Sie diese Lücke füllen wollen?
Neuhauser: Es war ein selbst gewählter Schritt und ich trauere nicht einen Moment. Das Einzige, was ich bedauere, ist, Harry Krassnitzer nicht mehr in dieser Regelmäßigkeit zu sehen. Aber wir haben das beide beschlossen und sind frohen Mutes. Ich habe keine Angst, was die Zukunft betrifft. Da bereitet mir diese Weltsituation viel mehr Sorge.
Und wie finden Sie das neue Ermittlerteam Miriam Fussenegger/Laurence Rupp?
Neuhauser: Ich kenne beide und sie werden das großartig machen, da bin ich mir sicher. Mehr kann ich nicht sagen. Ich wünsche ihnen viel Spaß!
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