© Astrid Knie

Gespräch
04/19/2020

5/8erl in Ehr'n schreien "Yeah Yeah Yeah"

Die Wiener-Soul-Band spricht im KURIER-Interview über politische Songs, Humor, Opportunisten und OE24

Kubanische Rhythmen machen das Strandfeeling greifbar, bringen das Tanzbein zum Zucken. Dazu tönt es: „Political message, political message, this is a political message!“ Immer wieder nur dieser Slogan – bis zum letzten Ton.

„This Is A Political Message“ ist einer der Songs des Freitag veröffentlichten Albums „Yeah Yeah Yeah“ von 5/8erl in Ehr’n. Ein „Statement“, mit dem das Wiener-Soul-Quintett auf die letzten 15 Karriere-Jahre anspielt.

„In der ganzen Zeit wurden wir immer als extrem politische Band rezipiert und in jedem Interview darauf angesprochen“, sagt Max Gaier, einer der beiden Sänger der Band, im KURIER-Interview. „Unsere Antwort war: ,Das ist nichts Besonderes, denn alles ist politisch!’ Was mich daran gestört hat, war, dass man andere als politisch definiert und sich selbst im selben Moment nicht so sieht. Aber politisch zu sein als so elitär zu sehen, ist ein Fehler. Denn jedes Gespräch, das man führt, alles was man tut, ist politisch. Dafür brauche ich kein Buch gelesen zu haben und keine Ausbildung zu haben. Und vor allem ist politisch zu sein nicht nur uns ach so belesenen Künstlern vorbehalten.“

So wollen 5/8erl in Ehr’n mit dem Song – humorvoll, leichtfüßig und sarkastisch wie immer – der Diskussion ein Ende setzen. Motto: „Jetzt haben wir selbst gesagt, dass wir politisch sind, dann brauchen wir nicht mehr darüber reden!“

Denn mit dem Album „Yeah Yeah Yeah“ geht es dem Quintett wieder vorwiegend um den Spaß an ihrer Musik. Und die deckt diesmal ein noch breiteres Spektrum ab, als man es bisher gewohnt war. Funk, Blues, Latin, marokkanische Rhythmen und Reggae haben genauso Platz, wie die Klavier-Gitarren-Ballade „Stundenlang“, Hawaii-Gitarren und das klassische Kunstlied „Oe24“, das auf den Boulevardjournalismus von Wolfgang Fellner und dessen TV-Sendung abzielt.

Hat er schon darauf reagiert? „Nein, es wird sich noch zeigen, ob er so viel Humor hat“, sagt Robert Slivovsky, der zweite Sänger. „Aber Herr Fellner will sich im Boulevard zum König machen und setzt dabei mit seiner Sendung ein großes Ausrufezeichen. Und wenn man sich gerne in der Öffentlichkeit so in den Mittelpunkt rückt, muss man damit rechnen, auch von anderen in den Mittelpunkt gerückt zu werden.“

OE24“ ist einer der wenigen eindeutigen Songs von „Yeah Yeah Yeah“. Alle anderen lassen viele Interpretationen zu. Und das ist die volle Absicht der „Achterln“. Keyboarder Clemens Wenger erklärt: „Wir können uns künstlerisch gar nicht anders ausdrücken. Für uns brauchen gute Songs immer eine poetische Ebene, etwas Geheimnisvolles. Wir gehen sehr sinnlich an die Sache ran und nicht mit einem bestimmten Ziel. Wir sind Emotionswissenschafter, keine Ökonomen.“

Slivovsky ergänzt: „Wir sind keine moralische Band. Humor ist unsere Grundeinstellung. Wir haben aber auch sehr viele Passagen, wo man einfach nur zuhören kann, ohne dass man auf der Suche nach den größten Inhalten sein muss.“

Auch der Albumtitel „Yeah Yeah Yeah“ ist mehrdeutig. Es kann ein Aufruf sein, ein Konzert zu genießen. Slivovsky sieht darin „einen Seitenhieb auf das Jubelzeitalter, wo alles laut und schrill ist, und eine Schlagzeile die nächste jagt“.

Für Wenger ist es eine Hülle, in die jeder hineininterpretieren kann, was er will. Gerne auch Politisches: „Viele Meinungen in der Politik sind so vage wie ,yeah yeah yeah’. Damit wird für die Opportunisten ein Bett gemacht, wo man sich nur mehr reinlegen muss. Je mehr Leute bei etwas ,yeah yeah yeah’ schreien, desto problematischer wird es, weil dafür sicher eine komplexe Wahrheit vereinfacht dargestellt wurde.“

Eigentlich wollten 5/8erl in Ehr’n zum Erscheinen des Albums auf Tour gehen. Das Virus hat das verhindert, die Termine werden auf Herbst verschoben. Deshalb aber auch die Veröffentlichung des Albums zu verschieben, kam für die Band nicht in Frage: „Wir wollen, dass nicht nur Corona das alles bestimmende Thema ist, und Kunst so gut wie möglich weitergeht. Darüber waren wir uns alle einig. Natürlich ist das von der Strategie her sehr schlecht. Aber damit haben die Fans jetzt mehr Zeit, vor den Konzerten die neuen Songs zu hören, und kennen sie dann schon besser. Das ist ja vielleicht auch eine Chance.“

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