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Literatur
02/04/2019

30. Todestag, aber von Thomas Bernhard gibt es immer etwas Neues

Es ist nicht allzu schwierig, Spuren zu finden, die an den Dichter erinnern.

von Peter Pisa

Thomas Bernhard- Foto oben -  ist auch 30 Jahre nach seinem Tod (12. Februar 1989) präsent.
In einer Quizsendung wurde ihm von einem Kandidaten gar „Die Dreigroschenoper“ zugeschrieben.
Bernhard ist präsenter als Brecht. Vor wenigen Tagen erschienen seine autobiografischen Texte neu, mit Aquarellen seines „Fans“ Erwin Wurm. Es gibt mehrere seiner Bücher in großartiger grafischer Umsetzung von Mahler (Alte Meister) und Lukas Kummer (Die Ursache); außerdem wird heuer im Juni der Suhrkamp Verlag mit der Veröffentlichung von neuen Briefen und Postkarten das Vorurteil bekämpfen, er sei ein finsterer, verzweifelter Mensch gewesen – im Gegenteil: Glücklich war Thomas Bernhard!

Den Namen "Bauer zu Nathal" - auch Titel einer Kino-Spurensuche - schätzte Bernhard sehr: Als er in Ohlsdorf / Obernathal den Vierkanthof kaufte, ging der Hofname „Bauer zu Nathal“ auf ihn über – und stand groß auf seinem Traktor. Den meisten Einheimischen blieb dieser seltsame Landwirt trotz Teilnahme am Dorfleben allerdings fremd.
Das hat ihn gekränkt.


Mangelnder Respekt

Aber am meisten, so hat sein Halbbruder Peter Fabjan anlässlich des 20. Todestages den KURIER wissen lassen, am meisten habe er unter dem mangelnden Respekt seitens der in Österreich für die Kunst verantwortlichen, offiziellen Stellen gelitten.
(Unvergesslich: Ein ÖVP-Unterrichtsminister hatte ihn bei der Verleihung des Staatspreises als „Fräulein Bernhard“ bezeichnet, eine SPÖ-Wissenschaftsministerin rief ihm bei anderer Gelegenheit zu: „Wo ist denn der Dichterling?“) Fabjan charakterisierte Thomas Bernhard  als „tiefernst, mutig und frühauf verletzt, lebenslang ’gefinkelt’ und neugierig wie ein Kind, sich stets auf Neues einlassend, in Beziehungen krankhaft misstrauend und nicht fassbar, an dieser Distanz selber leidend ... Kontakt und Zuneigung zeitlebens sehnend, in Erfolg kurzfristig heiter und gelöst, doch alsbald wieder der Andere.“
Man mag sich vorstellen, welche Hasspostings er heute ausgelöst hätte – mit Sätzen wie: „Österreich ist nichts als eine Bühne, auf der alles verlottert und vermodert und verkommen ist.“ (aus „Heldenplatz“, 1988).
Aber – Originalton Bernhard – „ich habe nie behauptet, irgendwann irgendetwas Wahres gesagt odergeschrieben zu haben.“
Und jetzt aber wirklich: „Nehmen Sie sich noch ein Schlusskeks.“ Mit diesem Satz komplimentierte  er Gäste freundlichst aus dem Haus.

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