© Kurier/Jeff Mangione

Kolumnen
06/06/2021

You shame me? I hate you.

Joesi Prokopetz über Anglizismen wie Bodyshaming.

Ja, ich weiß, es ist ein alter Hut, sich über überbordende Anglizismen zu verbreiten, und ich tue es nur, wenn mir ein solcher besonders affig erscheint und sich mir, kaum lese ich ihn, die Nackenhaare vor Peinlichkeit aufstellen.

Solch ein blödsinniges „Wort“ ist Bodyshaming. Es heißt so was wie „Schäm dich, du fette Sau oder du dürrer Hagel“, und wird benutzt, um Menschen zu beschimpfen, deren Äußeres nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Diese entweder unansehnlich adipösen oder aber auch durch Bulimarexie (Ess- Brechsucht) befremdend hageren Personen leiden naturgemäß unter ihrer Unattraktivität, mehr aber noch unter den ihnen entgegenschlagenden verletzenden Äußerungen und sie mögen diese Spötter gar nicht. Sie hassen sie oft sogar in der Mördergrube ihrer Herzen.

Das heißt dann, Achtung: Bodyshaming-Hate.

Würg.

Ein verniedlichender, auf das Pubertäre zielender Anglizismus, umzingelt gewissermaßen die Angelegenheit, verkleinert sie und legt sie unter „Spaß haben“ ab, wie es die Fashion Anglizismen generell tun.

„Hey Bodyshaming… cool…“

Die Fähigkeit, Scham zu empfinden, gilt als angeboren. Auslöser für Schamgefühle können innerseelische Vorgänge sein, wie zum Beispiel das Empfinden von Peinlichkeit oder Verlegenheit, aber auch die Bloßstellung oder Beschämung durch andere Menschen in Form von Demütigungen oder Kränkungen.

Tarzan und Jane kommen einem in den Sinn: „Du Bodyshaming.“ „Ich Hate!“

Ist es so, wie der Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant meint, „dass man in Europa aufgrund einer tiefen Sehnsucht nach einer einheitlichen Sprache eilfertig zum Englischen übergeht? Zu einem Globalesisch und beispielsweise Deutsch zu einem Dialekt verkommt“?

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