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Wie Alkohol zu Polysemie führen kann

Wolfram Kautzky geht in seiner Kolumne „Wortklauberei“ den Wörtern auf den Grund.
Wolfram Kautzky
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An dieser Stelle wurde schon mehrmals über das sprachliche Phänomen der Mehrdeutigkeit von Wörtern (Polysemie bzw. Homonymie) gesprochen. Also Wörter, die verschiedene, oft sogar völlig gegensätzliche Bedeutungen haben, wie z.B. das Verbum „umfahren“: Je nach Betonung bedeutet es entweder „umkurven“ oder „niederführen“. Oder nehmen wir das Wort „Beilage“: Bei ihr kann es sich einerseits um ein wichtiges Schriftstück, das einem Dokument angeschlossen ist, handeln, oder um (in absteigender Kalorien-Reihenfolge) Semmelknödel, Kartoffeln oder Sauerkraut.

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Rekordverdächtig sind die Bedeutungen des Wortes „anmachen“: Egal, ob es sich um die Zubereitung des Salats, das Einschalten des Lusters, das Anbaggern einer attraktiven Person oder die Befüllung einer Windel handelt – alle diese Vorgänge lassen sich unter dem universal verwendbaren Verbum subsumieren.

Auch das Wort „brechen“ lässt verschiedene Deutungen zu: Selbiges kann nicht nur ein Glas, sondern tut auch jeder, der „etwas Unrecht’s gegessen hat“ (Copyright Dr. Kurt Ostbahn). Aber Achtung: Im Perfekt gilt es zu unterscheiden, ob jemand „gebrochen hat“ (z.B. wegen einer Überdosis Bratl-fettn mit ein paar Schnäpsen als flankierenden Maßnahmen) oder „gebrochen ist“ (weil ihm anschließend bei der Heimfahrt der Führerschein entzogen wurde).

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Für Irritation sorgt SPÖ-Chef Babler, der auf große Österreichtour geht und dazu wissen lässt, er sei ein Vizekanzler, „den man angreifen kann“. Denn, so fragt man sich, in welcher Form will Babler angegriffen werden – manuell, also durch freundliche Berührung? Oder brachial, also durch rabiate SPÖ-Wähler aus dem Burgenland? – Apropos Burgenland: Wie bekannt, wurde unlängst einem prominenten Landtagsabgeordneten wegen Alkoholisierung der Führerschein abgenommen. Kein Wunder, dass es sich um einen „Blauen“ (Polysemie!) handelte.

Fundstück der Woche: „Ich will den SpielerInnen persönlich auch sagen, wie dieses Land auch kollektiv stolz ist.“ (Grußworte von Vizekanzler Babler an das österreichische Fußballnationalteam) – Ob sich Alexandra Schlager, Stefanie Posch, Michaela Gregoritsch & Co. über diese Ankündigung gefreut haben, bleibt offen.

Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund

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