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Wenn Hochzeitseinladungen stutzig machen

Wolfram Kautzky geht in seiner Kolumne "Wortklauberei" den Wörtern auf den Grund.
Wolfram Kautzky
Drought in northern Italy

Unlängst erhielt der Wortklauber eine Hochzeitseinladung. Auf dem Billett war zu lesen: Wir wollen aus „Liebe“ heiraten. Die Anführungszeichen ließen ihn stutzig werden: Heiratet das junge Paar nicht aus Liebe, sondern aus anderen Gründen?

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Anführungszeichen werden bei folgenden Gelegenheiten benötigt: a) für die direkte Rede: ORF-Fußballkommentator Oliver Polzer gab zu Protokoll: „In der Box ist viel Verkehr“; b) für Zitate: Polzers Sager, dass in der „Box“, also dem Strafraum, viel „Verkehr“ herrscht, finden Sprachpuristen nur halblustig; c) für Werktitel: Wird Polzers neues Buch „In der Box ist viel Verkehr“ heißen?); d) zur Andeutung von Ironie bzw. Distanz – womit wir wieder beim Paar sind, das aus „Liebe“ heiratet. Würden die Anführungszeichen fehlen, wäre es echte Liebe, mit Anführungszeichen scheint Zweifel angebracht (vielleicht hat ja der Ex der Braut die Hochzeitsanzeige verfasst?).

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Sollten Sie der Meinung sein, dass es sich beim Anführungszeichen um eine Marginalie handelt, muss der Wortklauber widersprechen. Vor allem in der Gastronomie kommen überflüssige Anführungszeichen oft mit ungewolltem Heiterkeitseffekt daher: Jeden Tag „ofenfrische“ Pizza! (Sie ist also vom Vortag.) Hier „kocht“ der Chef! (Seine Stärken dürften woanders liegen.) In unserem Hotel erwartet Sie echte „Herzlichkeit“! (Rechnen Sie mit rüpelhaftem Verhalten der Gastgeber.)

Dass umgekehrt auch das Fehlen von Anführungszeichen für Irritationen sorgen kann, bewies vor einiger Zeit der ORF-Teletext. Die Überschrift Pole für Hamilton gab Anlass zum Rätselraten: Warum sollte Hamilton einen Polen geschenkt bekommen?

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Die beiden Anführungszeichen stehen im Deutschen in der Regel einleitend unten und abschließend oben. In der Benennung der beiden Zeichen wird kein Unterschied gemacht. Dass das abschließende Anführungszeichen nicht „Abführungszeichen“ genannt wird, wird wohl seine Gründe haben.

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Fundstück der Woche: „Es wird noch einiges Wasser den Po hinunterfließen“ (KURIER) – Keine Werbung für Bidets, sondern die Ankündigung, dass sich die Vertragsverhandlungen zwischen Fußballtrainer Oliver Glasner und dem AC Milan noch hinziehen.

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Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.

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