Wenn das Gschistigschasti das Tschechern verhindert
Neulich im Schwimmbad. Badegast 1: „Gemma heut Abend auf a Bier in die City?“ – Badegast 2: „Puuh, bei dera Hitz’, und die U-Bahn fohrt a net durchgehend… Des is ma z’vü Gschistigschasti! I trink mei Bier liaber z’haus und schau ma mit meiner Frau ,Liebes’gschichten und Heiratssachen‘ an!“
Was an der Episode bemerkenswert ist: Nein, nicht die Hitze und auch nicht der gewohnte Ausfall der Wiener U-Bahn, sondern das hübsche Wort „Gschistigschasti“. Der Begriff dürfte aus dem Tschechischen stammen: čisté šaški bedeutet „purer Unsinn“ und steht im Wienerischen für Umstände und unnötiges Getue – der erschöpfte Badegast möchte sich also die Strapaz ersparen, zum Zweck des Bierkonsums mit Öffis in die Wiener Innenstadt zu reisen (und sich obendrein vor seiner Frau erklären zu müssen).
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Vom Gschistigschasti motiviert, machte sich der Wortklauber auf die Suche nach weiteren wienerischen Wörtern mit (vermutlich) tschechischer Wurzel – schließlich war Tschechisch um 1900 die zweithäufigste in Wien gesprochene Sprache. Dass das Wort fešák einen gutaussehenden Mann bezeichnet, liegt auf der Hand. Und was sich vom Wort buchta (= Hefekuchen) ableitet, wissen alle Buchtel-Fans sofort (den anderen wird’s wohl Powidl sein). Kniffliger wird’s bei plakat – das Wort bedeutet „weinen“ und lebt im Wienerischen „plazen“/„blazen“ weiter (vgl. „Der blazt scho wieda!“).
Doch erraten Sie, liebe Leserinnen und Leser, welche Begriffe sich von den folgenden tschechischen Wörtern ableiten? a) rybíz (= Johannisbeeren), b) duchna (= Federdecke), c) koláč (= Kuchen). (Lösungen siehe unten.)
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Umstritten ist, ob das Wort „tschechern“ ebenfalls auf das Tschechische zurückzuführen ist. Möglich wäre die Herleitung vom Verb čechrovat (= auflockern). Tatsache ist jedenfalls, dass Sie zwischen Tschecheranten und Tschechen gut unterscheiden sollten – auch wenn das eine das andere nicht völlig ausschließt.
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Fundstück der Woche: „Gegrillte Stücke vom fangfrischen Fischfilet“ (aus der Speisekarte eines Lokals in NÖ) – In der Vorahnung auf ihr baldiges Schicksal haben sich die Fische offensichtlich schon selbst unter Wasser filetiert.
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Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.
a) Ribisel, b) Tuchent, c) Golatsche
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