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Wem die Gorillas ihren Namen verdanken

Wolfram Kautzky geht in seiner Kolumne „Wortklauberei“ den Wörtern auf den Grund.
Wolfram Kautzky
Ein ausgewachsener Gorilla sitzt auf einer grünen Wiese und schaut auf ein kleines Gorilla-Junges, das vor ihm steht.

Von den Karthagern war auch schon länger nichts zu hören. Und das trotz ihrer berühmten Urahnin namens Dido. Sie legte, glaubt man antiken Quellen, den Grundstein für den Aufstieg der Punier (so wurden die Karthager von den Römern genannt). Im heutigen Tunesien gestrandet, soll sie den dortigen König um ein Stück Land gebeten haben – allerdings nur um so viel, wie sie mit einer Kuhhaut bedecken könne. Das scheinbar harmlose Ansinnen wird gewährt, doch die clevere Stadtgründerin in spe schneidet die Kuhhaut in dünne Streifen, knüpft sie zusammen und umgibt damit eine genügend große Fläche für die Gründung von Karthago (wörtlich: „neue Stadt“). Ähnlich clever war mehr als 2000 Jahre später die britische Sängerin Florian Cloud de Bounevialle Armstrong: Sie änderte ihren Namen auf den der karthagischen Königin – und machte als Dido (größter Hit: „White Flags“) Weltkarriere.

Was haben die Herren Settele und Pöschl mit dem wahrscheinlich berühmtesten karthagischen Seefahrer gemeinsam? Genau, den Namen Hanno. Dieser unternahm im 6. Jh. v. Chr. mit seiner Flotte eine Erkundungsreise an die Westküste Afrikas. Sein Reisebericht ist auf Griechisch erhalten und beinhaltet eine erhellende Etymologie. An Land sei Hanno haarigen, aggressiven Lebewesen begegnet, die von seinen Dolmetscher „gorillai“ genannt wurden – was so viel wie „ Volk behaarter Frauen“ (andere Deutung: „langhaarige schwarze Frauen“) bedeutet.

Ob Hanno tatsächlich Gorillas, eine andere Primatenart oder fremdartig aussehende Menschen gesehen hat, wissen wir nicht. Tatsache ist, dass der Naturforscher Thomas S. Savage (savage= engl. für wild, Anm.), dem der Bericht über Hannos Expedition vorlag, diese Bezeichnung für eine 1847 in Gabun entdeckte Affenart verwendete – die wir seit damals als „Gorillas“ kennen. Ob die ursprüngliche Bedeutung (also behaarte, feminine Wesen) heutzutage auch bei den gleichnamigen kahlgeschorenen Bodyguards für Freude sorgt, sei dahingestellt.

Fundstück der Woche: „Obwohl die Deutschprobleme an Wiener Schulen weiterhin massiv sind, deutet sich eine Entspannung ab.“ (Heute) – Es deutet sich ab, dass die Deutschprobleme auch schon die Redaktion der Gratiszeitung erreicht haben.

Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.

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