Was müssen Busfahrer?
Die Bedürfnisse eines Wiener Buslenkers interessieren rasend.
Ellipsen sind ja eher übel beleumundet – schließlich rufen sie Erinnerungen an den Mathe-Unterricht wach, und das lässt selten Begeisterung aufkommen. Aber hier die gute Nachricht: Auch in der Sprachwissenschaft ist die Ellipse beheimatet. Bei ihr handelt es sich um eine Sprachfigur, bei der ein Bestandteil weggelassen wird (griech. élleipsis = „das Unterlassen“). Meist handelt es sich dabei um das Prädikat, da es sich ohnehin aus dem Kontext ergibt: Der Spruch „Wo ein Wille, da ein Weg“ bedeutet nichts anderes als „Wo ein Wille vorhanden ist, ist auch ein Weg vorhanden“.
Ellipsen tragen zur Kürze und größeren Prägnanz des Gesagten bei. Dementsprechend kommen sie in der Umgangssprache, in Sprichwörtern, aber auch in der Werbung vor: Statt der Kurzversion „Einmal Pommes!“ die Langversion „Wären Sie so reizend, mir eine Portion Pommes zuzubereiten und mir danach auszuhändigen?“ zu äußern, führt vermutlich zum selben Ergebnis.
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Die Verbalinjurie „Du kannst mich mal!“ verstehen wir auch ohne Nennung des ausgelassenen Satzbestandteils. Und der Spruch „Gemma Lugner“ ist zwar für Sprachpuristen ein Graus, vermittelt aber trotzdem die gewünschte Botschaft.
„Buslenker rast durch Wien, weil er dringend musste“, titelte die Kronenzeitung vor Kurzem. Hier liegt der Sachverhalt nicht ganz so eindeutig auf der Hand.
Variante A: Als Auslassung, also Ellipse, ist das Wörtchen „es“ zu ergänzen („… weil er es musste“). In diesem Fall hätte ein Vorgesetzter dem Buslenker den Befehl erteilt, durch Wien zu rasen (z. B. weil er zuvor bereits 45 min. Verspätung aufgerissen hatte).
Variante B: Sie denken sich, wie vermutlich die meisten Leser, den Infinitiv des Verbums „austreten“ (oder eines noch eleganteren Verbums) dazu. Glücklicherweise sorgte die Kronenzeitung selbst für die Aufklärung des tatsächlichen Sachverhalts. Gleich unterhalb der elektrisierenden Überschrift war in der Unterzeile zu lesen: „Sein Manöver ging gehörig in die Hose.“
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Fundstück der Woche: „Zu den Hitzepolen zählte heute Langen-Lebern (NÖ) mit 39,9 Grad“ (ORF-Teletext) – Bei dieser kreativen Umbenennung der Ortschaft Langenlebarn dürfte der Redakteur zuvor seine Leber zu lange belastet haben.
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Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.
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