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Über Fans, Fanatiker und Fußballfiebernde

Wolfram Kautzky geht in seiner Kolumne "Wortklauberei" den Wörtern auf den Grund.
Wolfram Kautzky
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Hobbyhistoriker Marko A. (Name von der Red. geändert, Anm.) möchte wissen: „Haben die alten Römer eigentlich auch schon Fußball gespielt?“

Nein, definitiv nicht. Die Römer waren in vielerlei Hinsicht innovativ, ihrer Lust nach Brot und Spielen gingen sie aber bevorzugt im Amphitheater nach. In der römischen Literatur finden wir folglich keine Hinweise auf Ferserl, Gurkerl und Wuchtel.

Überliefert ist allerdings der erste historische Fall einer Platzsperre: Weil es bei Gladiatorenkämpfen zwischen den Bewohnern von Pompeji und den Fans aus der benachbarten Stadt Nuceria zu Ausschreitungen gekommen war, wurde den Pompejanern im Jahr 59 n. Chr. ein zehnjähriges Veranstaltungsverbot für derartige Spiele auferlegt.

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Das Wort „Fan“ geht übrigens auf einen sakralen Begriff zurück. Unter fanum verstanden die Römer einen Ort, der einer Gottheit geweiht war. Als „fanaticus“ wurde demnach jeder bezeichnet, der von dieser Gottheit erfüllt bzw., übersteigert, in rasende Begeisterung versetzt wurde.

Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich aus dem religiösen Begriff die heute übliche Bedeutung für fanatisch („begeistert“). Zu achten ist aber auf den feinen Unterschied zwischen „Fan“ und „Fanatiker“: Ersterer ist durchaus gern gesehen – es sei denn, er ist auch Zweiteres.

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Italiens Beitrag zur Fußball-WM wird ja diesmal eher bescheiden ausfallen. Der vierfache Weltmeister verpasste die Qualifikation, da man das Play-off gegen Bosnien-Herzegowina im Elferschießen verloren hatte – ein schwerer Schlag für die Tifosi, also die italienischen Fans. Die Bezeichnung „Tifosi“ hat keinen religiösen, dafür aber einen medizinischen Hintergrund: Mit ital. tifo ist die Infektionskrankheit Typhus gemeint, die zu hohem Fieber führen kann. Ein Tifoso ist also jemand, der mit seinen Sportidolen „mitfiebert“. So gesehen wird es in den nächsten Wochen wenigstens in Österreich jede Menge Tifosi geben.

Fundstück der Woche: „Geringfügige Kundenbetreuung an der Rezeption“ (Aufgabenbeschreibung für einen Job in einer nö. Kletterhalle) – Kunden, die sich schnell einmal von hilfreichen Rezeptionisten belästigt fühlen, dürfen sich schon jetzt auf das neue Personal freuen.

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Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.

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