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Warum Vokale nicht zu unterschätzen sind

Wolfram Kautzky geht in seiner Kolumne "Wortklauberei" den Wörtern auf den Grund.
Wolfram Kautzky
Eine Sammlung von verzierten, eiförmigen Objekten ist in einem weißen Regal ausgestellt.

Eine der filmischen Lieblingsszenen Ihres Wortklaubers findet sich in Woody Allens Groteskkomödie „Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“ (1975). Eine trauernde Witwe trifft nach dem Tod ihres Mannes auf dessen Geliebte. Gemeinsam beraten sie, was mit den zurückgebliebenen Briefen des Mannes zu geschehen hat. Die Witwe (dargestellt von Diane Keaton) schlägt schließlich vor: „Wir teilen sie. Ich nehm die Vokale und du die Konsonanten.“

Tatsächlich hat Keaton im Film eindeutig das schlechtere Los gezogen: Die meisten Sprachen weisen wesentlich weniger Vokale als Konsonanten auf – im Deutschen sind es fünf Selbstlaute (a, e, i, o, u plus Umlaute), aber mehr als 20 Mitlaute. Dementsprechend ist die deutsche Sprache insgesamt eher konsonantenlastig (was erst recht für die slawischen Sprachen gilt), ganz im Gegensatz zu Italienisch und Spanisch – dort sind Vokale und Konsonanten ungefähr gleich verteilt, weshalb sie auch als wohlklingende Sprachen wahrgenommen werden. „O sole mio“ wird beispielsweise sprachlich als Wohlklang empfunden (musikalisch aber in Hinblick auf die gleichnamige Schnulze möglicherweise nicht).

Alle fünf Vokale beinhalten die deutschen Wörter „Raubkopie“, „Krematorium“ und „Sauforgie“. Mehr ins Auge springen die Selbstlaute allerdings, wenn sie unmittelbar hintereinander auftreten: Über vier aufeinanderfolgende Vokale verfügt das „Teeei“, sogar über fünf der „Treueeid“. Aber Achtung: Tauscht man bei bestimmten Wörtern einen einzigen Vokal aus, kann sich der Sinn komplett ändern – plötzlich wird z. B. aus dem „Aroma“ die „Uroma“. Noch mehr Varianten gibt es beim Tausch von drei Vokalen (Hammel – Himmel – Hummel), vier Vokalen (Wart – Wert – Wirt – Wort) oder gar fünf Vokalen (Zacken – Zecken – Zicken – zocken – zucken).

Letzteres Beispiel verdankt der Wortklauber übrigens seinem sprachverliebten Leser Dr. Martin S. Ihm sei hiermit der ehrenvolle Titel eines Vokal-Matadors verliehen.

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Fundstück der Woche: „In der Folge gaben die Beamten mehrere Schüsse auf das Fahrzeug ab, als dieses zu flüchten versuchte.“ (Heute über eine Verfolgungsjagd in NÖ) – Ob das beschossene Fahrzeug auch inhaftiert wurde, ist unbekannt.

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Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.

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