Idylle in der Ruine

Wo der Mensch nicht mehr ist, ist Platz für Naturromantik. TV-Dokus werden zunehmend Zivilisationsbrachen erkunden.
Michael Huber
ORF

Nicht nur im Feld der TV-Naturdokus erleben wir derzeit einen Perspektivenwechsel: Die Faszination für Orte, an denen der (westliche) Mensch noch nicht war, weicht der Faszination für Orte, an denen der Mensch nicht mehr ist.

Nach den von Kolumbus und Kolonialismus, Wildwest und „Star Trek“ befeuerten Erzählungen über Entdecker und Eroberer ist das Bewusstsein, dass die Menschheit viele Landstriche unbewohnbar gemacht hat, durchgesickert.

Die Universum-Doku über „Verstrahlte Wölfe“, die sich am Dienstag in das Biotop in der Sperrzone um das AKW Tschernobyl wagte, war eine fast romantische Erkundung eines Territoriums, das sich die Natur zurückgeholt hat. Ein weiteres ist die demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea. Heutige Kriege und die Klimakrise werden weitere solcher Brachen schaffen. Freuen kann man sich auf die Dokus, die Naturfilmer dort drehen werden, leider nicht.

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