Kolumnen
06.07.2018

Wie man verlässlich nicht billig bucht

Ich bin verlässlich diejenige, die am meisten fürs Ticket bezahlt hat. Irgendwann bekomm ich das Narrenkapperl verliehen.

Es gibt Menschen, die mit Trolleys zu Reisemessen pilgern und tonnenweise Kataloge (Kulis und Zuckerln) nach Hause schleppen.

Andere durchforsten akribisch Buchungsportale nach Schnäppchen, lesen Hotel-Bewertungen, vergleichen Preise. Und prahlen ständig damit, dass sie wieder einen Luxusurlaub zum Billigtarif gebucht haben.

Und dann gibt es mich.

Ich bin verlässlich diejenige im Flieger, die am meisten fürs Ticket bezahlt hat. Mich wundert, dass ich nicht spätestens nach Erlöschen des Anschnallzeichens von der Stewardess feierlich das Narrenkapperl verliehen bekomme. Nur damit die anderen Passagiere wissen, bei wem sie sich für die Quersubventionierung ihres Billigtickets bedanken können.

Natürlich bin ich selber schuld. Wer billig wegkommen will, muss früher buchen und vergleichen. Alles kein Problem, dank Internet. Weiß ich doch.

Deshalb fahre ich eines Abends den Laptop hoch. Wild entschlossen, quasi zum Nulltarif wegzufliegen. Aber schon das Hotelangebot ist ermüdend. 700 Angebote, davon 300 Schnäppchen. Für nur eine Stadt!

Ich bin überfordert.

Will mich nicht durch die Angebote des Portals klicken. Plötzlich überfällt mich eine bleierne Müdigkeit. Ich versinke im Sofa. Denke, dass ich im Liegen vielleicht besser denken kann, lagere die Beine hoch, weil so vielleicht mehr Blut ins Hirn rinnt und es so besser arbeiten kann. Eine Stunde später wache ich wieder auf. Jetzt brauche ich Kaffee, um halbwegs munter zu werden.

Davon bekomme ich Herzrasen. Noch immer Hunderte Angebote verfügbar. Zur Beruhigung trink ich ein Bier, gieße die Blumen. Das Bier macht mich müde. Es ist kurz vor Mitternacht. Noch immer keine Hotelbewertung gelesen. Flug will ich auch keinen buchen. Ich vertage mein Vorhaben. Angebote wird es morgen auch noch geben. Und wer bucht schon um Mitternacht?

Mein Kollege. Acht Flüge hat er kurz nach Mitternacht gebucht, erklärt er mir tags darauf. Um einen Cent pro Flug. War ein Angebot. Schon vergriffen.

Ich hab’s verschlafen. Eh klar.simone.hoepke