Kolumnen

Wenn Straßennamen Mut machen

Stadtgeflüster: In Wien gibt es erst 492 Straßen, die nach Frauen benannt wurden.

von Anna-Maria Bauer

07/15/2019, 05:00 AM

54 sind es mittlerweile. Vierundfünfzig Verkehrsflächen in der Seestadt Aspern, die nach Frauen benannt sind. Darunter die Ilse-Aichinger-Gasse, in Gedenken an die große Autorin. Der Maria-Trapp-Platz, benannt nach der Sängerin und Schriftstellerin, die während der NS-Zeit in die USA emigrierte. Oder auch die Barbara-Prammer-Allee, zu Ehren der Nationalratspräsident.

Die Bezirksvertretung Donaustadt hat es sich bei dem Stadtteil zur Aufgabe gemacht, Verkehrsflächen nur nach weiblichen Vorbildern zu benennen. Wie begrüßenswert diese Maßnahme ist, zeigt sich, wenn man sich die wienweite Geschlechteraufteilung ansieht. Denn in der ganzen 414,6 Quadratkilometer großen Bundeshauptstadt gibt es erst 492 Straßen, die nach Frauen benannt wurden. Dem gegenüber stehen 4.002 Straßen mit Männernamen. (Das restliche Drittel der 6.768 Verkehrsflächen wurde neutral benannt.)

Allein durch die Benennung in Aspern konnte der Prozentanteil der weiblichen Straßennamen auf einen Schlag von fünf auf sieben Prozent gesteigert werden. Das ist natürlich immer noch viel zu wenig. Und natürlich könnte man auch die Lage etwas kritisieren. Denn wenn Frauen sichtbar gemacht werden, wäre es doch wünschenswert, wenn dies nicht nur am äußersten Stadtrand passiert.

Aber gleichzeitig muss gesagt werden: Jeder Schritt, der hier gesetzt wird, ist zu begrüßen.

Und vielleicht wächst einmal ein Mädchen in der Franziska-Seidl-Straße auf und lässt sich davon inspirieren, dass die namensgebende Wienerin zu den Ersten gehörte, die auf dem Gebiet des Ultraschalls Versuche ausführte.

Vielleicht möchte eine andere in der Antonia-Bruha-Gasse wissen, wer diese Person war, und lässt sich von der Geschichte der NS-Widerstandskämpferin motivieren. Und wieder eine andere erhält möglicherweise Mut, wenn sie erfährt, dass der Elinor-Ostrom-Park nach einer herausragenden Wissenschaftlerin benannt wurde, die sich für die Nachhaltigkeitsforschung einsetzte und 2009 dafür den Nobelpreis erhielt.

annamaria.bauer@kurier.at

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