© Kurier/Jeff Mangione

Kolumnen
08/02/2020

Wem sein Wurschtl sind sie?

Joesi Prokopetz über die Ablehnung jeder Verrichtung und jedes Abhängigkeitsverhältnisses.

„I bin do net Ihna Wurschtl“,

„I bin do net Ihna Trottl“,

„I bin do net Ihna Bedienter“, oder, was wiederum hauptsächlich in Wien üblich ist: „I bin do net Ihna Schani“.

Als Verweigerungen unzumutbar empfundener Aufhalsung von Dienstleistungen so weit verständlich, wäre da nicht der inhärente Hinweis auf herrschende Besitzverhältnisse: „I bin do net Ihna ... Wurschtl...“ und so weiter. In diesen Fällen soll nicht nur eine geforderte Verrichtung abgelehnt, sondern auch jedes Arbeits-, Abhängigkeits- oder gar Eigentumsverhältnis von vornherein in Abrede gestellt werden. Bestünde nämlich ein solches Verhältnis, müsste man auf die Vermutung eines Außenstehenden: „Du bist do net dem sein Wurschtl!“ geantwortet werden: „Ja, leider scho.“

In größeren Betrieben wird bald einem einzelnen Mitarbeiter z. B. nachgesagt, „der is doch dem Chef sein Wossaträger“. Mir ist aus der fernen Zeit einer Ferialpraxis in Erinnerung, dass von einem Kollegen behauptet wurde, er würde dem Abteilungsleiter, einem gewissen Herrn Kowasz, über die Maßen liebdienern, dass man sich in die Formulierung „Der is doch dem Kowasz sein Zumpferlhoida“ verstieg.

In einer Ehe ist man dann halt nicht „Ihna“ sondern “dein“ Wurschtl. Von Ehefrauen kommt oft: “I bin do net dei Putzfetzen“, oder, wenn der angeheitert heimkehrende Gatte ungewöhnliche oder für die Partnerin anstrengende erotische Wünsche äußert: „I bin do net dei Schlamp‘n!“ In gehobenen Kreisen heißt es etwa: „Ich bin doch nicht deine Kurtisane!“ Meinen tut es allerdings das Gleiche, wenn nicht dasselbe. Machen Sie sich eine Liste mit den Namen der Personen, deren Wurschtl Sie sind, aber vehement behaupten, es nicht zu sein. Sie werden staunen.

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