Weißes Burgenland, verkehrte Welt

Ein Schneemann mit einer Karottennase steht im Schnee.
Plötzlicher Schneefall zeigt: Auch das Wetter hält sich nicht an Prognosen.

Tiefer Winter im Südburgenland. Dabei heißt es doch seit Jahren, in tiefen Lagen sei Schneefall rund um den Jahreswechsel kaum noch zu erwarten. Und dann, einfach so: Weiße Weihnachten 2025!

Das Leben hält sich eben nicht an Prognosen und Erwartungshaltungen. Manchmal stellt es sogar alles auf den Kopf.

Wer rund um Silvester von Güssing über Graz und Gröbming nach Golling fuhr, musste sich ab und zu zwicken, ob er träume, beziehungsweise überprüfen, ob er unabsichtlich in die verkehrte Richtung unterwegs sei: Vom schneebedeckten Burgenland kam man in die nur leicht angezuckerte Oststeiermark, um schließlich im Ennstal schneefreie Wiesen wie zu Ostern vorzufinden. Auch im Salzburger Pinzgau war’s zwei Tage vor Silvester in Tallagen grün.

Wieder zurück im Südburgenland schneite es den gesamten 5. Jänner durch. Und auch gestern gab es etwas Neuschnee.

„Ich traue ihnen alles zu“

Das Burgenland beweist uns gerade, dass es Überraschungen parat hält; dass es aus der Reihe tanzen und in tiefen Lagen die Schneeflocken tanzen lassen kann, egal, was Statistik und GeoSphere Austria sagen.

Das erinnert mich an eine burgenländische Lehrerin, die großen Eindruck auf mich gemacht hat. Sie lud mich ein, mit ihrer vierten Klasse Mittelschule journalistische Textsorten zu besprechen. Alle Schülerinnen und Schüler hatten erstaunlich tiefgehende Fragen und beeindruckende Texte vorbereitet.

Im Anschluss fragte ich die Lehrerin, wieso hier alle so motiviert und überdurchschnittlich begabt seien. Sie sagte nur: „Ich traue meinen Schülern jeden Tag alles zu.“ Und meinte damit, wenn sie die Klasse betrete, blende sie alles aus, was an Erfahrung und Erwartungshaltung in ihr sei und gebe so den Schülern Raum, sich jeden Tag völlig neu zu entfalten.

In diesem Sinn: Trauen wir dem Burgenland 2026 alles zu! Es hat schon gut begonnen mit dem unerwarteten Weiß. Wer weiß, was das Land noch so auf Lager hat, wenn wir es lassen.

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